Im Radio hörte ich 1955 auch immer wieder die Sendungen des des Roten Kreuzes - über den Rundfunk wurde auf diesem Weg nach Personen gesucht, die durch das Kriegsgeschehen vermisst waren. Ich erlebte auch Menschen, die nach Jahren zurückkamen - oft in grauen oder grünen Lodenfilzmänteln, vollkommen zerschlissen und löcherig.

In unserem Haus in der ehemaligen Deutschmeisterstraße in Hetzendorf (heute Münchenstraße) wurde dann immer ein Freudenfest gefeiert, zu dem alle Parteien etwas dazu beisteuerten, damit wir alle zusammen feiern konnten.

Das Bier wurde in einem Gasthaus in der Nähe flaschenweise geholt. Ein ganzer Kasten davon wäre damals undenkbar gewesen. Die Gasthäuser besaßen damals sogenannte Eiskeller - da wurde mittels Pferdefuhrwerk das Eis in Blöcken angeliefert, dann etwas zerteilt und in den Keller gelegt. Das Ganze geschah mithilfe von riesigen eisernen Krampen Nach ein paar Tagen wiederholte sich die ganze Prozedur der Anlieferung der riesigen Eisblöcke wieder.

Wir Kinder hoben die Reste des Eises, das auf der Straße liegen geblieben war auf, leckten daran und erfreuten uns schließlich daran, wie das Eis in der Hand zu schmelzen begann.

Sissy Fröhlich (Jg. 1950),

Drogistin,

1130 Wien