apa/Hochmuth
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Ich war neun Jahre alt, als der erste offizielle Wiener "Opernball" am 26. Jänner 1935 stattfand. Bis dahin hatten ja die Ballveranstaltungen "Redouten" geheißen. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, weil meine Eltern hingingen und es bei uns daheim in Döbling davor den ganzen Tag über hieß: "Schön ruhig sein, denn die Mama schläft."

Gegen 21 Uhr durften wir dann die Mama in ihrem Ballkleid sehen. Ich war überwältigt. Sie war eine wunderschöne Frau. Ich kann mich noch ganz genau erinnern: Sie trug ein prachtvolles Goldlammé-Kleid von Stone & Blyth. Dort war übrigens damals der Adlmüller als Commis tätig. Sie war so schön und sah aus wie eine Märchenprinzessin. Das hat mich damals verzaubert, dieses Schöne in schlechten Zeiten. Ich habe ja sonst nichts für Ballveranstaltungen über. Wenn ich Walzer tanzen musste, wurde mir immer wegen der Drehungen totenübel.

Das, was man "Social Life" nennt, hat mich auch nie interessiert. Dennoch habe ich mit dieser Erinnerung der Mama im Kopf beim Opernball gerne begonnen. Dieser ist halt so typisch für uns. Es geht um imperiale Eleganz. In Deutschland verkleidet man sich als Narr, hier eben mit einem ausgeborgten Frack als Prinz. Ich habe den Ball von 1980 bis 1996 organisiert. Das war der Zeitraum, wo wir mit einem Zettelkasten begonnen haben und im Computerzeitalter endeten. Man muss selbst erkennen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, aufzuhören. Das ist mir gelungen.

Lotte Tobisch,

Schauspielerin, Ex-Organisatorin des Opernballs

1010 Wien