Uhren waren ein Statussymbol bei Sowjet-Besatzern. - © Ullstein
Uhren waren ein Statussymbol bei Sowjet-Besatzern. - © Ullstein

Man gewöhnte sich in der Nachkriegszeit sehr bald daran, dass das Eigentum de facto abgeschafft und total ungeschützt war. Das hatte man ganz einfach zur Kenntnis zu nehmen, es gab Schlimmeres.

Auch die Vorliebe der russischen Soldaten für Uhren war sehr bald erkennbar. Einmal begegnete ich auf der Straße einem, der trug an seinem Arm aufgereiht so an die zehn Uhren an sich herum.

Dazu muss auch angemerkt werden, dass viele dieser Soldaten aus dem tiefsten Sibirien stammten und mit der Zivilisation noch nicht ausreichend in Berührung gekommen waren. Manche benützten die Klobrille nicht, um sich daraufzusetzen, sondern sich mit den Stiefeln darauf zu stellen. Folgende Geschichte wurde damals gerne kolportiert: Einmal kam ein russischer Besatzungssoldat mit einer stehengebliebenen Uhr zum Uhrmacher, um sie reparieren zu lassen. Der Meister öffnete den Deckel und fand im Uhrwerk eine tote Wanze, worauf der Russe bemerkte: "Ponemaiu (ich verstehe), Uhra kaputt, Maschinist tot."

Mag. Friedrich Weiss,

Komponist

2500 Baden bei Wien