Anfang April 1945 übersiedelten wir in den Keller unseres Hauses in Aspern, mit uns die Russin Nina, die Kroatin Johanna, das Ehepaar Koch und andere. Behelfsbetten wurden aufgestellt, ein Herd mit Abzugsrohr, sowie Tische und Sessel. Man konnte die Verhältnisse als annähernd gemütlich bezeichnen. Die Nazis waren fast abserviert und wir wussten nicht, was auf uns zukam. Die Zeit vertrieb man sich mit Lesen, Gesellschaftsspielen, Gesprächen und täglichen Verrichtungen. Strom und Gas gab es längst nicht mehr, als Lichtquellen dienten Kerzen und Petroleumlampen. Über uns waren die Kämpfe voll im Gang. In ruhigen Momenten wagte jemand den Blick hinauf, um sich zu überzeugen, ob das Haus über uns noch stand. Einige Treffer hatte es abbekommen, das Dach war zerstört. Zum Ende der Nazimisere möchte ich die sogenannte Volkssturmhymne zitieren, nur unter uns so gesungen: "Volkssturmmänner halt’s euch zamm, wart’s nur, bis wir d’ Waffen habn, da wird der Hitler schaun, wie wir die Nazis auße haun!"

Am 14. April morgens wagte Herr Koch den Blick hinauf und rief: "Die Russen san do!"

Mag. Friedrich Weiss

Komponist (Jg. 1933)

2500 Baden bei Wien