Alliierte Grenzen im eigenen Land. Der US-Checkpoint in Urfahr. - © picturedesk.com/August Makart/ÖNB-Bildarchiv
Alliierte Grenzen im eigenen Land. Der US-Checkpoint in Urfahr. - © picturedesk.com/August Makart/ÖNB-Bildarchiv

Meine selige Mutter war während der Kriegszeit als Ärztin in Breitenberg/Bayern gegenüber dem oberösterreichischen Holzschlag stationiert gewesen. In dieser Zeit hatte sie sich dort bei den Bewohnern große Anerkennung erworben.

1947 fuhren meine Mutter und ich zu zwei Schwestern in die russische Besatzungszone nach Holzschlag. Diese betrieben dort recht und schlecht einen Gasthof. Wir wollten nur eine Nacht bleiben, doch am nächsten Tag blieb ein russischer Lkw beim Gasthof stehen. Die Soldaten fragten aufgeregt nach der "Frau Doktor". Niemand konnte sich erklären, wieso die Russen von unserer Anwesenheit wussten. Die Wirtinnen zitterten, da aber meine Mutter keinerlei Angst zeigte, hatte ich auch keine. Die Soldaten nahmen Mutter mit und brachten sie nach einiger Zeit wieder und luden sie mit Lebensmittel-Paketen und vielen Dankesbezeugungen beim Gasthaus ab. Sie hatte einen kranken, verletzten Kameraden zu versorgen gehabt.

Mit Gottes und Pfarrers Hilfe

So stapften wir erst am nächsten Tag in der Früh durch hohen Schnee Richtung bayerische Grenze, die durch einen Bach ging. Wir näherten uns sehr vorsichtig, da wir vor Grenzpatrouillen gewarnt worden waren. Gegenüber gab es ein kleines Wäldchen auf einer Anhöhe. Von dort ertönte plötzlich ein lauter Pfiff. Der Pfeifer war der Pfarrer aus Breitenberg, der von der Anhöhe aus genau die Grenzkontrollen beobachten konnte. Sein Pfiff war das Signal - rüber über den Bach und wir waren in Bayern.

Dann eine Nacht lang bei befreundeten Bauern, mithilfe des Pfarrers zurück über die Grenze und über Nacht wieder in Holzschlag. In der Früh dann die "Ausstattung" mithilfe der beiden Schwestern.

Ich bekam in meinen kleinen Rucksack das damals Kostbarste gepackt: Butter. In die langen Beine meiner Skihose steckte man mir je eine Stange Wurst. Mutter packte in ihren Sack, was sie nur tragen konnte. So ging es hinunter nach Urfahr und Linz.

Auf der Brücke kontrollierten wieder die Amerikaner. Während Mutter ihren Sack aufmachte, stellte ich mich zu den bereits kontrollierten Leuten. Ein Mann nahm mich, wie ein Vater, an der Hand und ging mit mir aus dem Kontrollbereich. Draußen wartete er auf meine Mutter. Wir bedankten uns und stiegen in den Zug nach Wien.

Niemand hatte ein Wort gesprochen, alles lief ganz selbstverständlich ab. Die Zonengrenze auf der Ennsbrücke mit russischer Kontrolle war an diesem Tag für uns problemlos. Wir brachten all unsere guten Sachen auch gut nach Wien, nach Hause.

Otto Hermann Hlavac

Pensionist (Jg. 1941)

2500 Baden bei Wien