ZiB-Lady Nadja Bernhardt (klein und groß) mit ihrer Hass-Liebe, dem Dirndl. - © Archiv, Paul Vécsei
ZiB-Lady Nadja Bernhardt (klein und groß) mit ihrer Hass-Liebe, dem Dirndl. - © Archiv, Paul Vécsei

Eigentlich bin ich ja Kanadierin. Und Steirerin. Durch die lange Tätigkeit als ORF-Korrespondentin in Rom und Washington auch Italienerin und Amerikanerin.

Aber vielleicht doch der Reihe nach: Amerikanerin bin ich wirklich. Denn die kanadische Staatsbürgerschaft erwarb ich durch meine Geburt in Windsor/Ontario. Meine Eltern sind aus der Steiermark in den 60er Jahren dorthin ausgewandert. Später sind wir wieder nach Leibniz zurückgekehrt. Also wenn man so will: zweimal Wirtschaftsflüchtlinge. Einmal hin und einmal retour.

Weil die Eltern aber schon in Kanada die alte Heimat in der Südsteiermark nicht vergessen konnten, haben sie mich in Windsor mit Vorliebe in ein Kleidungsstück gesteckt, das sie unendlich süß fanden: in ein eigens aus Graz eingeflogenes Dirndl. Für mich war das ganz und gar nicht süß, sondern wirklich furchtbar. Keine meiner Spielkameradinnen in Windsor konnte mit diesem Kleidungsstück etwas anfangen. Ich fühlte mich gebrandmarkt und öffentlich als hinterwäldlerisch vorgeführt. Ich wurde von meinen Freundinnen verspottet. Kurz, ich genierte mich zu Tode und hasste dieses verdammte Dirndl.

Als ich, erwachsen geworden, nach Österreich zurückkehrte, änderte sich das langsam. Das Dirndl entpuppte sich nicht nur als recht praktisches, vielseitig einsetzbares Kleidungsstück. Bald entdeckte ich: Darin schaut fast jede Frau recht fesch aus. Ich selbst fühlte mich darin richtig gut. Nur der politische Mief, den man dennoch recht lang mit der alten Tracht verband, störte mein Verhältnis noch weiter.

Doch der Imagewandel, den Mode-Designerinnen wie Volkskundlerin Gexi Tostmann und andere dem Trachtenlook wieder verliehen, indem sie das Kleidungsstück alter Belastung entkleideten, machten auch das klassische Dirndl wieder zu einem politisch vertretbaren Statement.

Als ich wiederholt in Rom und Washington mit dem Dirndl auftrat, wurde ich oft mit auffallend respektvoller Aufmerksamkeit bedacht. Und so ist längst der alte Hass einer ganz neuen Liebe gewichen. Heute freue ich mich, wenn ich zu einem Ball oder einem Auftritt im Ausland mein schönes Dirndl aus dem Schrank nehmen kann.

Dann halte ich es mit Reinhard Fendrich: "Sag’ ich am End’ der Welt ganz voller Stolz, und wenn ihr wollt’s a ganz allan, I am from Austria!"

Nadja Bernhardt, (Jg. 1975)

ORF-Moderatorin

1010 Wien/Leibnitz