Schnell, schneller, noch schneller... Meine Großmutter war eine besonders gütige Seele und Bergbäuerin im Pielachtal. Sie konnte den Germgugelhupf und Mahnstrudel so flaumig, so exzellent, der Sacher wäre erblasst vor diesen Spitzenprodukten. Sie wurde 87 Jahre alt und hat bis zuletzt noch gekocht, gebacken und den Krautacker bearbeitet. Ein naturnahes, karges Leben ist sicher schön, aber kaum mit außergewöhnlichem Amusement verbunden. Ihr ältester Sohn besaß Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger Jahre ein Motorrad! Das war ein Highlight, wenn er sie dann und wann auf dem Sozius mitnahm und eine Runde mit ihr drehte. Die Großmutter, damals schon über 80 und zaundürr, ein "Kramperl", wie man so sagte, wollte schneller, immer schneller fahren. Es ging ihr zu langsam, sie liebte es, wenn ihr der Fahrtwind entgegenblies. Wir freuten uns mit ihr und sahen dann plötzlich eine abenteuerlustige lebensfrohe Frau, die nie Gelegenheit zu Abenteuern hatte, aber sehr wohl nichts dagegen hätte. Ohne Helm, nur mit Kopftüchl, mit von der Arbeit gekrümmtem Rücken, sie hatte keine Angst. Es war reines Vergnügen. Ihr Lächeln war ein Streicheln, während sie den noch warmen Strudel vor mich hinstellte und sich daran freute, wenn er verschlungen wurde. Da war sie wieder nur die Sorgende, die ihre Abenteuerlust gut versteckt hielt.

Johanna Dürnecker (Jg. 1947)

Autorin

3200 Obergrafendorf