- © Votava/Imagno
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1946 wurden die ersten Gefangenen entlassen. Wer davon jeweils betroffen war, wurde aber nicht bekanntgegeben, oder aber es änderte sich immer wieder.

Die Gefangenen wurden immer wieder damit konfrontiert, dass ihre Entlassung unmittelbar bevorstand, um dann beim nächsten Transport doch nicht aufgerufen zu werden. Das war mit Sicherheit gezielte psychologische Zermürbungstaktik.

Die Heimkehrer-Züge sind in Wiener Neustadt eingelaufen. Opa ist jedes Mal bei Bekanntwerden eines Termins am Bahnsteig gestanden, um sich nach seinem Sohn zu erkundigen. Es wäre ja möglich gewesen, dass jemand mit ihm im Lager zusammen war. Ob da jemals ein Freigelassener eine Botschaft mitbrachte, ist mir nicht bekannt.

Von 1946 bis 1948 war Opa stets zugegen, wenn ein neuer Transport ankam. Mit einem der letzten "großen" Transporte ist dann auch Papa mitgekommen. Papa erzählte, dass Opa an ihm vorbeiging, ohne ihn zu erkennen, so sehr hatte er sich verändert. Es war dies im Februar 1948. Als Entlassungstag ist der 25. Februar 1948 vermerkt in den Papieren.

Michael Rosensteiner,

(Jg. 1957),

3922 Groß Schönau