Ein schöner Mann, keine Frage. Sportlich, eloquent, voller Lust und Lachen. Ungewohnt aufregend. Er hatte die Autostopperin mitgenommen, es war Mitte der Sechzigerjahre, ich war siebzehn vorbei und wollte Land und Leute kennenlernen und ja, eigentlich auch einmal etwas erleben.

Es war einfach, Hand heben und schon hält jemand an. Das aber war was Besonderes, ein rotes Sportcoupé mit allen Schikanen. Er drückt auf einen Knopf und die Fenster gehen rauf und runter. Ich bin fasziniert.

Der Mann amüsiert sich und sagt, ich dürfe sooft ich wolle Fenster rauf und runterfahren, was ich begeistert durchexerziere, er steigt aufs Gas, um zu zeigen, was er so draufhat, es ist auf der Strecke zwischen Bruck/Mur und Graz. Der Fahrtwind durchbraust das Fahrzeug, es ist grandios. Irgendwann erwähnt er die Alm, die er gekauft hat. Er möchte mich einladen. Das dämpft meine Abenteuerlust. Ich muss ablehnen mit der Begründung, ich müsse weiter nach Paris. Der Mode wegen. Um bei Dior oder Chanel anzuheuern.

Er lacht amüsiert und zeigt Verständnis. Meiner ängstlichen Mutter hatte ich vorweg erklärt, nach Mariazell zu fahren, Wallfahren und Bergsteigen.

Ich erzählte ihr nichts vom Sportcoupé und der Möglichkeit einer Alm, auch nichts von Paris und Dior. Man soll die Leute nicht unnötig beunruhigen, obwohl es ganz gut wäre, wenn sie wüssten, dass außerhalb der Dorfgrenze nicht nur schöne Männer, sondern auch technische Wunderdinge warten.

Johanna Dürnecker (Jg. 1947),

Autorin,

3200 Obergrafendorf