Nach dem Einmarsch der US-amerikanischen Besatzungstruppen in Strobl am Wolfgangsee im Jahr 1945 wurde die Schule bald zu einem Lazarett umgewandelt. Vom Unterricht befreit, verbrachten wir einen großen Teil unserer Tage im großen Park der sogenannten "Villa", einem herrschaftlichen Gebäude, in dem die Amerikaner ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatten und in dem sich auch die Küche für die Soldaten befand.

Was sich dort abspielte, war ungemein aufregend, vor allem die Köstlichkeiten, die sich in den Essgeschirren der unter den Bäumen lagernden Soldaten befand, hatten wir Kinder meist noch nie gesehen. Die Amerikaner waren freundlich. Die Aussicht, etwas vom himmlischen Pfirsichkompott oder Schokolade geschenkt zu bekommen, ließ uns stundenlang ausharren.

Auch gab es da einen Koch, der dank der guten Englischkenntnisse meiner Mutter Anschluss in unserer umfangreichen Familie gefunden hatte und sich dafür mit einer täglichen Essensration großzügig revanchierte, für deren Transport ich letztlich zuständig war.

Jeden Tag stellte ich eine leere Milchkanne auf das Fensterbrett des Kellerlokals, in dem sich die Küche befand, um sie nach einiger Zeit gefüllt wieder abzuholen. Ihr Inhalt half uns, diese schwere Zeit besser zu überleben.

Weil der kleine schwarze Hund dieses Koches, mit dem ich oft gespielt habe, Bobby hieß, haben wir seinen Besitzer einfach "Boby-father" genannt. Beide haben fast zu unserer Familie gehört, und als der "Bobby-father" schließlich abgezogen wurde und wir in einem kleinen Fest von ihm Abschied nahmen, habe ich sehr geweint.

Prof. Dr. Hilde Schmölzer,

Autorin (Jg. 1937),

1140 Wien