Die US-Besatzer hatten bei Mädels oft "gute Karten". - © ullstein bild/ Henning Christop
Die US-Besatzer hatten bei Mädels oft "gute Karten". - © ullstein bild/ Henning Christop

Etwa 1954 gehörte ich zu einem etwas wilden Rudel pubertierender Buben in der Hauptschule Wiesberggasse in Wien-Ottakring. Im großen Hof des Gemeindebaus "Schuhmeier-Hof" trafen sich bei Schönwetter Burschengruppen unterschiedlichen Alters. Natürlich altersmäßig etwas getrennt, wobei die Jüngeren, zu welchen ich zählte, begierig die Nähe der Älteren suchten.

So lernten wir von diesen, jene Sträucher zu erkennen, von denen man das sogenannte "Rauchholz", eine Art Zigarettenersatz, gewinnen konnte. Mit Glück konnte man auch von diesen fallweise sogar eine echte Zigarette, zumeist eine "Mistral", eine Zigarette mit Pfefferminz-Menthol-Geschmack aus dem russischen "USIA"-Laden im vierten Bezirk, schnorren.

Neben anderem, für das spätere Leben Nützlichem, erfuhren wir so auch einiges über Sexualität, denn der legendäre Oswald Kolle klärte ja erst viele Jahre später mit seinen Filmen breitere Zuschauerschichten auf.

So gab es also Mitte der 50er Jahre bei uns in Ottakring zwei Hotels, welche auch für Kurzzeitvermietungen, als sogenannte "Stundenhotels" zur Verfügung standen. Ein geflügelter Satz lautete damals: "Die beste Hack’n ist Portier in einem Stundenhotel." Weil der kann ein Zimmer mindesten zehn Mal am Tag vermieten!

Einer der älteren Burschen arbeitete, ich weiß nicht mehr in welcher Funktion, in einem dieser beiden Häuser. Bereitwillig gab er uns Wissenswertes aus seinem reichen Erfahrungsschatz von Gesehenem und Erlauschtem zum Besten.

Unvergesslich ist mir dabei die folgende Episode in Erinnerung geblieben. Wir lernten trotz französischer Besatzungszone in Ottakring Englisch als Fremdsprache. Die Übersetzung des Schlusssatzes dieser Anekdote prägte sich mir lebenslang als beste Sprachschulung ein: Die amerikanischen Soldaten waren bei den Mädchen in Wien um einiges beliebter als alle anderen. Nicht zuletzt deswegen, weil die Amis als wohlhabender und großzügiger galten.

Da hatte also so eine junge Ottakringerin eine Liaison mit einem G.I. und es kam schlussendlich auch zu einer ersten Liebesnacht in besagtem Ottakringer Hotel. Die junge Dame genoss diese offensichtlich sehr und stöhnte fortwährend: "Oh, Du..., Du..., Du.......!" Endlich ließ der G.I. von ihr entnervt ab und meinte verärgert: ,,God damned, what should I do? I do what I can!"

Prof. Ferry Kovarik (Jg. 1941),
Ottakringer Original, Buchautor,

1160 Wien