Ich wurde am 19. November 1933 in der Zips in der Slowakei geboren. In einer schönen Landschaft, vor der Haustüre sozusagen die Hohe Tatra. 1945 wurden wir - meine Mutter und meine sechs Geschwister, der Kleinste war erst zwei Jahre alt - vertrieben und in die ehemalige DDR "verfrachtet". Mein Vater lebte - bedingt durch den Krieg - in Wien.

Im Jahre 1957 wollte ich ihn besuchen, was mir auch gelang. Natürlich wollte mein Vater mich überreden, zu bleiben. Zu der Zeit wanderten viele nach Kanada oder Australien aus. Ich wollte natürlich auch in die Welt hinaus. Für Australien bekam ich keine Bewilligung, daher suchte ich für Kanada an. Ich hatte schon alle Papiere beisammen, sogar die Impfungen, die ich für die Einreise benötigte. Doch es sollte schließlich doch anders kommen.

Es war 1958, ich war mit einem Freund am Neustifter Kirtag und traf ein junges Mädchen mit Tante und Onkel. Da sie mir sofort gefiel, forderte ich sie zum Tanze auf. Von da an besuchte ich sie zweimal die Woche. Wir verstanden uns auf Anhieb gleich sehr gut und natürlich habe ich die Abreise immer wieder hinausgeschoben und dann gemeldet, dass ich in Wien bleiben möchte.

Dies war mit etlichen Unannehmlichkeiten verbunden. Mein Vater verschaffte mir Arbeit und ein paar Jahre später suchte ich um die Staatsbürgerschaft an, die ich auch bekam. Denn ohne diese hätte mein Schwiegervater keine Einwilligung zur Heirat gegeben. Im Jahre 1961 haben wir dann geheiratet, bekamen drei Kinder, haben in der Zwischenzeit schon die goldene Hochzeit gefeiert.

Ich habe es nicht bereut, nicht ausgewandert zu sein, denn ich fühle mich im Heimatland Österreich - und eben in der Wienerstadt - wirklich sehr wohl.

Alfred Thinschmidt (Jg. 1933),
Pensionist,

1200 Wien