Das Flotten-Kino erfreute sich wegen seines Vormittagsprogrammes auch hoher Beliebtheit bei Schulschwänzern. Votava/Imagno/picturedesk.com - © Votava / Imagno / picturedesk.co
Das Flotten-Kino erfreute sich wegen seines Vormittagsprogrammes auch hoher Beliebtheit bei Schulschwänzern. Votava/Imagno/picturedesk.com - © Votava / Imagno / picturedesk.co

Meine Kinoleidenschaft begann mit meinem ersten Filmbesuch in Begleitung meiner Mutter. Mit einer Schoßplatzkarte (ja, so was gab es früher) sah ich "Bambi" im "Schönbrunner Kino", das sich bei der Kennedybrücke befand.

Es war ein unglaublich schönes Kino mit absoluter Beinfreiheit. Zwischen den Reihen gab es unglaubliche eineinhalb Meter Abstand zur Vorderreihe. Jetzt befindet sich an seinem Platz in Hietzing ein Sonnenstudio. Meine große Kinoleidenschaft wurde also schon recht früh mit "Bambi" geweckt.

Der wahre Kinoboulevard der 80er Jahre war aber sicher die Mariahilfer Straße. Knapp hinter dem Westbahnhof gab es im Abstand von ein paar hundert Metern gleich zwei Lichtspieltheater: Das "Club West" und das "Maxim".

In der inneren Mariahilfer Straße war das "Flotten Kinocenter" situiert, das seinerzeit auch Vormittagsvorstellungen angeboten hat. Das war ein super Service für alle Schulschwänzer. Dann gab es noch das "Maria Theresien-Kino", Ecke Neubaugasse, das gegen Ende "U3 Kino" hieß. Das "Haydn" ist das einzige Kino, das auf der Mariahilfer Straße noch verblieben ist. Seit 1995 spielt es Filme in der englischen Originalfassung und ist seit den 80er Jahren mein Stammkino. Am Ende der Mariahilfer Staße gab es noch das "Residenzkino".

Improvisierte "Luftpausen" statt ordentlicher Lüftung

In den 80er Jahren existierten auch noch in Hietzing einige Filmtheater. Das "Park-Kino", befand sich im Einkaufszentrum "Ekazent". Das "Auhof-Kino" war in der Auhofstraße beheimatet. 1982 lief aber leider auch hier der letzte Film.

In Penzing gab es sogar ein Kino mit drei Sälen - das "Gloriette-Kino". Beim Umbau von einem auf drei Säle hatte man wohl die Belüftungsschächte geopfert. Deshalb gab es seither bei jeder Vorstellung eine richtige "Luftpause", in der die Türen geöffnet wurden. Jetzt befindet sich am Platz des Kinos ein Radshop mit einem angeschlossenen Café.

In der Burggasse hatte das "Star-Kino" seinen Platz gefunden. In der Schönbrunner Straße im fünften Bezirk residierte das "Movie". Im achten Bezirk war das "Albert-Kino" daheim.

Im "Kolosseum" im neunten Bezirk, in der Nußdorfer Straße in Nähe der Währingerstraße gab es eine Besonderheit: Dort spielte man in einem Saal das ganze Jahr über nur James-Bond-Filme. Einen nach dem anderen. Unglaublich! Ebenso buhlten in der Nußdorfer Straße noch das "Auge Gottes" mit mehreren Sälen und das kleine "Kolibri" um die Gunst der Kinogeher.

Beim Naschmarkt spielte noch das "Wienzeile-Kino" sein Programm. In der Innenstadt, in der Wollzeile, hatten damals noch das "Elite" und das "Atelier-Kino" ihren Sitz. Ein paar Seitengassen weiter gab es das kuschelige "Kruger-Kino".

Das Angebot an Lichtspieltheatern war damals phänomenal. Die Videotheken kamen schön langsam auf und "streamen" war damals noch nicht erfunden.

In allen genannten, nicht mehr vorhandenen Kinos haben jetzt Drogeriemärkte oder diverse Diskonter ihren Einzug gehalten. Die Kinos mag es zwar alle nicht mehr geben. Aber die Erinnerungen an die vielen schönen Kinostunden, die ich dort verbracht habe, kann mir mit Sicherheit niemand mehr wegnehmen.

Robert Sluka (Jg. 1970),

Eisenbahner,

1180 Wien