Care-Pakete waren oft der Start in bessere Zeiten. - © ullstein bild
Care-Pakete waren oft der Start in bessere Zeiten. - © ullstein bild

Es muss Ende der 40er gewesen sein; Mutter erhielt ein Care-Paket. Ich werde zwei Lebensmittel darin nie vergessen: den Cheddarkäse, der mir den ersten positiven Eindruck von den USA vermittelte, und Corned Beef aus der Dose.

Für uns Wiener Kinder war das ein Festtag. In meiner Volksschulzeit gehörte ich zu den sogenannten "armen Kindern" und wurde vor Weihnachten dank unserer Volksschullehrerin zu einer ungewöhnlichen Weihnachtsfeier in die Hofburg eingeladen. Es war mein zweites positiv prägendes Erlebnis aus der Besatzungszeit, diesmal dank russischer Soldaten: Erstmals sah ich sie Kasatschok tanzen und sah einen Zeichentrickfilm über einen Fischer und seine Frau, die Wünsche frei hatten, wobei die Frau zu gierig wurde. Danach gab es ein Esspaket zum Mitnehmen.

Ende der Fünfziger begann ich eine kaufmännische Lehre. Als Chefs hatte ich in einem Tonstudio und Reparaturwerkstatt zwei Ungarn, die 1956 nach Österreich geflohen waren - ihnen verdanke ich meine solide Ausbildung.

In den 70ern beflügelte mich die Aufbruchstimmung unter der Regierung Kreisky. Ich nahm an der Arenabesetzung und schließlich an der Volksabstimmung gegen das AKW Zwentendorf teil - noch heute ein Herzensanliegen!

Bald danach kam die "Indianerwelle". Ich erinnere mich nur zu gut an einen Nachmittag Anfang der 80er im Wiener Prater: Unter einem ausladenden Baum saß ich in einer Gruppe und lauschte den Ausführungen eines US-amerikanischen Indianers. Bald sollte ich selbst in die USA reisen und über die Hopi, Mohawks und den Indianerkenner Richard Erdoes zwei Radioreihen für den ORF produzieren und mein Buch "Unser Ende ist Euer Untergang" dazu veröffentlichen. Ohne die geschilderten Begegnungen hätte ich weder den Mut noch das Rüstzeug dafür gehabt und bin dankbar dafür.

Alexander Buschenreiter (Jg. 1945), Autor und Freier Publizist,

8983 Bad Mitterndorf