Triumph einer Ausnahmesportlerin:Goldmädchen Mirna Jukic. apa/Gepa pictures
Triumph einer Ausnahmesportlerin:Goldmädchen Mirna Jukic. apa/Gepa pictures

Mein größter sportlicher Erfolg war zweifellos, für Österreich die Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in Peking zu erringen. Die 100-Meter-Brust-Distanz schaffte ich immerhin mit einem österreichischen Rekord, den ich später nochmals verbessern konnte. Die 1:06,58 sind noch heute gültig. Als kleines Mädchen hatte ich schon von einer Olympiamedaille geträumt. Ich war überglücklich und stolz, dass ich sie mir abholen durfte. Ein Höhepunkt in jedem Sportlerleben.

Dennoch gibt es einen emotionalen Höhepunkt in meinem Leben, der diese olympische Ehre vielleicht noch übertrifft: Es war 2002, ich war 16 Jahre alt und habe an den Langbahn-Europameisterschaften in Berlin teilgenommen. Da war die ganze Schwimm-Elite der damaligen Zeit vertreten. Unmittelbar vor meinem Lauf waren Größen wie Franziska von Almsick dran gewesen. Dann kam ich, die kleine Mirna. Geboren in Kroatien, aufgewachsen und ausgebildet in Wien, und schwamm, was das Zeug hielt, zu einer Goldmedaille.

Ich war noch immer selbst ganz perplex, als ich kurz darauf bei der Siegerehrung auf dem Podest stand. Stolz hatte ich mich in eine rot-weiß-rote Fahne gehüllt. Dicke Tränen rannen mir beim Klang der österreichischen Hymne aus den Augen, sodass ich kaum auf der großen Video-Wall die schönen Bilder des Triumphes ausnehmen konnte.

Ich dachte an meine Freunde und Familie in Österreich in Kroatien und sonst auf der Welt. Denn der Sport hat in meinem Leben immer Brücken geschlagen. Ich war ganz Österreich dankbar für meine Möglichkeiten und wollte die ganze Welt umarmen. Manche haben mir später böswillige unterstellt, ich hätte als gebürtige Kroatin die österreichische Hymne nicht mitgesungen, weil ich sie nicht beherrscht habe. Dabei war ich nur viel zu gerührt.

Heute, 40 Jahre nach dem Fußballsieg in Cordobá, denke ich mir: Da stand also die kleine Mirna mitten in Deutschland auf einem Treppchen ganz oben und es erklingt die österreichische Hymne. Das ist ja auch nicht schlecht. Und ich freu mich darüber.

Mirna Jukic (Jg. 1986)

vielfache österreichische Medaillengewinnerin im Schwimmsport,

1100 Wien