- © Gaschurnpartenen
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Es muss so 1947 oder 1948 gewesen sein. Wir waren ein Rudel Kinder aus unserem Gemeindebau, damals noch der FAC-Bau in Floridsdorf (heute der Paul-Speiser-Hof). Unser bevorzugter Spielplatz waren abgestellte Lokomotiven am Bahndamm in unmittelbarer Nähe unserer Wohnungen. Aufgrund unseres Ernährungszustandes wurden wir von Erwachsenen immer als "Floridsdorfer Hungerbrigade" bezeichnet.

Da die Brücke beim Wasserpark zerstört war, wurden auch zeitweilig Lastwagons von den Russen dort abgestellt. Geschah dies, wurden diese von russischen Soldaten bewacht. Das war für uns immer sehr interessant, da wir abends, wenn die Soldaten rund ums Lagerfeuer saßen, zu ihnen stießen, um mit ihnen russische Lieder zu hören, die wir auch von Zeit zu Zeit mitsangen.

Der hauptsächliche Grund lag aber darin, dass wir von ihnen immer ein großes Stück Brot bekamen. Das lag sicher daran, dass sie die Bezeichnung "Hungerbrigade" richtig verstanden. Bis heute ist mir das Wort "Klewa (Brot)" im Gedächtnis und das Lächeln der jungen russischen Soldaten.

Als Kind erlebt man solche Zeiten eben anders und ich habe viel später meinen Vater gefragt, ob er auch einmal einem russischen Kind ein Brot gegeben hat.

Richard Schadauer (Jg. 1939), Pensionist,

1150 Wien