Ausgemergelte Häftlinge wurden im Mai 1945 von den Amerikanern aus dem Konzentrationslager Gusen befreit. - © dpa US Army/dpa/picturedesk
Ausgemergelte Häftlinge wurden im Mai 1945 von den Amerikanern aus dem Konzentrationslager Gusen befreit. - © dpa US Army/dpa/picturedesk

Nachdem die "Wiener Zeitung" meine Erlebnisse im Mai 1945 veröffentlicht hatte, wurde ich von einer Familie angerufen, die mich fragte, ob ich eine Ahnung hätte, wo ihr Großvater, ein Feuerwehrmann aus Wien, begraben sei.

Bekanntlich haben die Nazis die Feuerwehr von Wien abgezogen und als Bewachungsmannschaft in Mauthausen und Gusen eingesetzt. Was dann geschah, erfuhren wir von einem glücklich Überlebenden, ein Verwandter eines Kameraden, der uns erzählte, dass diese nach dem Verschwinden der SS-Bewacher als Bewacher des Konzentrationslagers eingesetzt wurden.

In dem schrecklichen Durcheinander vor dem Eintreffen der Amerikaner kam es dann zu Mord und Totschlag, ich konnte der Familie, die mich angerufen hatte, leider nicht mehr sagen, als dass ihr Großvater als ein besonderes Nazi-Opfer umgekommen und irgendwo begraben sein müsse.

Ich war mit meinen Kumpeln von der Zwangsarbeit bei der Technischen Nothilfe beschäftigt, eine Freileitung von Mauthausen nach Gusen zu bauen. Sie wurde nie fertig, weil die deutsche Rüstungsindustrie keine Bolzen zum Zusammenschrauben der Masten liefern konnte.

Was also in Gusen passierte, habe ich nur am Rande mitbekommen, aber schon das war grauenhaft genug. Wohin die SS-Bewachungsmannschaft geflüchtet war, habe ich nie herausbekommen.

Genauso wie ich bis heute nicht weiß, ob es einen Befehl des Reichsverteidigungskommissars August Eigruber gegeben hat, alle Hälftige in die Stollen zu treiben und sie dann zu sprengen.

Ich weiß nur, dass ich die Sprengkammern mit Donarit-Sprengstoff füllen musste. Wir waren aber selbst leichtsinnig genug, Lebensmittel in Sackerln für die KZler in den Stollen zu stellen, und das hätte uns auch noch im letzten Moment ins KZ bringen können.

Wenn manche am 8. Mai noch der Helden gedenken, ist es vielleicht ganz wichtig zu wissen, was die Befehlshaber dieser Helden verbrochen haben.

Dr. Heinz Kienzl (Jg. 1922),

NS-Verfolgter,

ehem. Gen.-Dir. Nationalbank, 1090 Wien