- © Gaschurnpartenen
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Zu Beginn der 1950er Jahre, ich war damals zehn Jahre, war es eines Tages plötzlich Thema in Wien, dass die Firma Liewers für das Notieren von hundert VW-Käfer-Kennzeichen Lederfußbälle verschenkt. Alles allerdings beschränkt auf die ersten hundert Teilnehmer.

In den folgenden Tagen, in denen ich mich schon auf den Fußball freute, opferte meine Mutter sogar ihre Mittagspause, um auf der Ringstraße die Kennzeichen von VW-Käfern zu notieren. Sie stand in dieser Absicht nicht alleine dort, wie auch andere anderswo.

In Wien war es das alles Tagesthema. Jeden Abend wurde gezählt, aber es waren noch immer zu wenige Kennzeichen auf dem kleinen karierten Block aufgeschrieben. Es ist davon auszugehen, dass bereits am dritten Tag nach Ankündigung der Aktion die ersten Listen bei Liewers abgegeben wurden.

Zur Verwunderung und zum großen Entsetzen wusste bei der Firma Liewers leider niemand davon. Tags darauf wurde diese "Fake News" im Radio (man sagte damals eher Rundfunk) dementiert, womit die Hoffnung vieler Buben auf den eigenen Lederfußball vorbei war. Liewers hat daraufhin 100 Bälle, allerdings aus Plastik, anfertigen lassen und verschenkt. Ich habe keinen bekommen, was damals eine Enttäuschung war.

Viel später bekam ich doch noch meinen Fußball aus Leder, mit echter Seele im Innern, allerdings als ein Geschenk meiner Tochter.

Dr. Ludwig Kumer (Jg. 1941),

Techniker,

1070 Wien