In den ersten Wochen nach Kriegsende bewegte sich eine Art Völkerwanderung in jede Himmelsrichtung. Unser Haus lag am Trampelpfad und war nach meinem Empfinden der Treffpunkt aller Nationen. Viele haben etwas mitgehen lassen, einige haben etwas dagelassen.

Eines Tages stand eine Kuh im Hof, die allerdings nur mehr aus Haut und Knochen bestand und keine Milch mehr gab. Ein andermal war es ein Pferd, das uns eine Zeit lang eine bescheidene Mobilität bescherte. Ein Onkel hatte noch ein Pferdefuhrwerk in der Scheune stehen, dieses wurde reaktiviert und ermöglichte kleinere Reisen, etwa nach Wolkersdorf, um nach den dortigen Verwandten und meiner Großmutter zu sehen.

Man hatte wochenlang keinerlei Verbindung, weder Post noch Telefon waren in Betrieb. Als der elektrische Strom und etwas später das Gas wieder durch die Leitungen floss, sahen wir das als kleine Sensation an.

Man lernte Leute aus aller Herren Länder kennen, hatte einige Tage lang Kontakt, dann zogen sie wieder weiter. Meine Eltern haben immer Tiere gehalten - Schweine, Hühner, Kaninchen etc. Dadurch kam es auch einmal zu einer Schweineschlachtung. Zufällig war gerade ein italienischer Friseur zur Stelle, der das bewerkstelligte, und die Borsten des Borstentiers fachmännisch mit dem Rasiermesser entfernte.

Mag. Friedrich Weiss,

Komponist (Jg. 1933),

2500 Baden bei Wien