- © Gaschurnpartenen
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Ich erzähle die folgende Geschichte immer im Gedenken an unseren Vater, der 1947 nach Jahren russischer Gefangenschaft zu seiner Familie heimkommen durfte. Für ihn war es der schönste Tag seines Lebens, denn was verloren schien, war wiedergewonnen und noch viel schöner!

Wir drei Kinder guckten ein wenig scheu bei der Ankunft dieses für uns fremden Mannes, denn die Russen hatten die Freigelassenen für die Heimreise "neu" eingekleidet. Daher trug er eine Art Schlosserkluft, eine Soldatenmütze und einen alten, bodenlangen, braunen russischen Soldatenmantel (der später gute Dienste zur Abdeckung eines Brunnens leistete).

Zur Feier des Tages hatte unsere Mutter einen Germgugelhupf gebacken - eine rare Mehlspeise zu dieser Zeit. Ich sehe ihn noch heute in seiner Pracht auf dem bescheiden gedeckten Tisch prangen, sogar mit Zucker bestreut. Nie mehr ist mir ein Gugelhupf schöner erschienen als damals! Er hat sicher auch gut geschmeckt, da mein Vater in alter russischer Gewohnheit jedes noch so kleine Brösel vom Tisch pickte, was bei uns Kindern große Heiterkeit auslöste.

Noch heute, wann immer ich einen Gugelhupf nach dem Rezept meiner Mutter backe - und diese Mehlspeise ist in unserer Familie sehr beliebt -, habe ich meinen Vater vor Augen, wie er sich mit Hingabe dem Gugelhupf widmet und wir Kinder ihn staunend beobachten, bis auch das allerletzte Krümelchen verschwunden ist.

Gudrun Zehetmayr (Jg. 1939),

Volksschullehrerin i.R.,

Bad Schallerbach