Bananen waren einmal Luxusartikel. - © Adobe Stock/Aliaksandr Ivanou
Bananen waren einmal Luxusartikel. - © Adobe Stock/Aliaksandr Ivanou

Ich wurde 1950 in Wien-Hetzendorf geboren. Meine erste Erinnerung mit drei Jahren war, als mein Großvater einen Schlaganfall erlitten hatte und ich als große Ausnahme mit diesem Alter meinen Opa im Spital besuchen durfte. Zu jener Zeit hatten nur Kinder ab 14 Jahren Zutritt. In einem großen Saal lagen 20 Männer - ich war beeindruckt davon und gleichzeitig erschlagen. Es war wie in einer Fabrik, jede Menge Schwestern liefen im Zimmer herum. Opa freute sich über unseren Besuch, obwohl er nicht mehr sprechen konnte. Er brachte uns, als er noch gesund was, jede Woche, wenn er uns besuchte, Bananen und Orangen mit. Für uns etwas ganz Kostbares - dieses Obst wurde 1953 stückweise verkauft und lag nicht so wie heute, in großen Kisten im Geschäft.

Kurze Zeit danach starb mein Großvater. Da Hetzendorf keine eigene Aufbahrungshalle hatte, wurde er am Hietzinger Friedhof aufgebahrt und bis zum Grab am Hetzendorfer Friedhof getragen. Mein Opa war berittener Polizist gewesen, dadurch war auch eine Kapelle dabei, die Trauermärsche spielte, und seine Kollegen trugen den Sarg, die ganze Elisabeth-Allee entlang bis zum Hetzendorfer Friedhof. Damals war es eine ruhige Straße, heute ist dort eine Schnellstraße. Bis heute kaufe ich Orangen und Bananen stückweise - und genieße jedes Stück.

Sissy Fröhlich (Jg. 1950),

Drogistin,

1130 Wien