Maria Nicomeda 1937. - © privat
Maria Nicomeda 1937. - © privat

Eine Nonne des Ordens "Göttlicher Erlöser", hatte ihre Profess am 28. 8. 1934. Ihr neuer Name war Schwester Maria Nicomeda. Leider wurde sie von der Oberin zu Küchentätigkeiten eingeteilt. Nicomeda wollte nicht Erdäpfel schälen und Salat waschen. Die Mutter Oberin ließ ihre Bitten ungehört, Nicomeda trat aus dem Orden aus, wurde wieder Margarete und konnte eine Anstellung in der Krankeneinrichtung Steinhof bekommen. Sie war sehr froh, endlich mit Kranken arbeiten zu können. Leider wurde Margarete in einem Handgemenge mit einem von Sinnen gekommenen Patienten getreten, sodass sie keine Kinder mehr bekommen zu können. Einen Ehemann zu finden, ohne Aussicht auf Nachwuchs, erschien ihr aussichtslos.

Karl wurde im September 1940 Vater einer Tochter. Seine Frau verstarb kurz nach der Geburt. Als ihm das mitgeteilt wurde, war sein Kummer groß. Einige Tage später meldete sich das Krankenhaus erneut und fragte Karl: "Wann werden Sie ihre Tochter abholen?" "Meine Tochter? Das Kind hat überlebt?", wunderte er sich. Denn die Nachricht über den Tod der Frau war für ihn gleich mit dem Tod des Kindes. Karl war überrascht, erfreut, glücklich und überfordert. Er traute sich die Herausforderung als allein erziehender Vater nicht zu. Er fasste den Entschluss zu inserieren. Er suchte eine Frau, die bereit war, einen Witwer mit Baby zu heiraten.

Margarete meldete sich. Sie trafen sich zu Kaffee und Kuchen, waren sich sympathisch und heirateten. Margarete kam zu einem Mann und einem Kind, Karl zu einer fürsorglichen Frau und guten Mutter für Tochter Gertraud.

Margarete, meine (Stief-)Oma, und Karl, mein Opa, haben gemeinsam bis zu ihrem Tod gelebt. Als Enkeltochter habe ich die beiden in Harmonie, mit Respekt und Fürsorge erlebt. Ob es jemals die große Liebe geworden war, weiß ich nicht.

Andrea Wenig (Jg. 1968),

ÖBB-Bedienstete,

1020 Wien