Ein amerikanisches Armee-Radio zeigte Wiens Jugendlichen im Jahr 1946, "wo es langgeht". - © privat
Ein amerikanisches Armee-Radio zeigte Wiens Jugendlichen im Jahr 1946, "wo es langgeht". - © privat

Es war 1946, als ich 14-jährig von der Mittelschule mittags heimkam und das Radio aufdrehte. Ich suchte ein herum und plötzlich umspülten mich faszinierende Klänge. Kurz darauf eine Ansage: "At 1068 on your radio dial you are listening to the American Forces Network BDN, WOFA Vienna" (auf ihrer Radioskala hören sie den amerikanischen Soldatensender BDN, Wofa Wien).

Diese Station sollte für die nächsten neun Jahre meine "Heimat" werden. Swing-, Bebop- und amerikanische Unterhaltungsmusik waren so ganz anders als die Musik, die uns bis dahin im Radio aufgezwungen worden war. Natürlich gab es bei "uns" vereinzelt schöne Wienerlieder und ernste Musik, aber was war das gegen diese neuen Klänge? Je mehr ich zuhörte, umso vertrauter wurde ich mit den Disc Jockeys und ihren Sendungen. Auch viele Schulkollegen hatten den Sender entdeckt und so sprachen wir bald über Mickey Kaplan, unseren Jazzprofessor, der uns mit Miles Davis, Stan Kenton Duke Ellington, George Shearing und, und, in lockerer und fröhlicher Weise bekannt machte. Das ging so weit, dass die Englisch-Professorin einmal sagte: "Du sprichst ja nicht englisch, sondern amerikanisch."

Die Musik war faszinierend. Der Nebeneffekt war, dass ich die Sprache gut erlernte. 1955 nach dem Staatsvertrag wurde der Sender aufgelöst, die Besatzungssoldaten verließen Österreich. Ich arbeitete in einer Bank, wo ich vierzig schöne Jahre verbrachte.

Aber BDN ließ mich nicht los: Ich suchte und fand viele der DiscJockeys, kontaktierte sie. Übereinstimmend sagten alle: "Das war die schönste Zeit in meinem Leben" ("Soldat mit Geld in der Tasche", "kein Krieg mehr", "Wien eine schöne Stadt"). Ich fand viele lebenslange Freunde: den Chefsprecher von BDN. Byron Sanders, Schauspieler und Tennislehrer, wurde etwa von Salvadore Dali für dessen Bild "Crucification" (Kreuzigung) ausgewählt. Es hängt heute im Metropolitan Museum in New York. Mickey Kaplan wurde von Präsident Jimmy Carter ausgezeichnet als "best small business man of the year". Er hatte in Omaha/Nebraska eine Verpackungsfirma aufgebaut.
Für seine karitative Tätigkeit in Wien (er initiierte Geldsammlungen für bedürftige Kinder) erhielt er hier den "Goldenen Rathausmann".

Milton J. Shapp, Adjutant von General Mark Clark wurde später Gouverneur von Pennsylvania. Mein lieber Freund Bud Miller, Chef des AFN (American Forces Network) in Frankfurt, half mir sehr bei der Suche. Seitenweise könnte ich über Begegnungen berichten. Aber bitte besuchen Sie doch http://www.bluedanubenetwork.at von Stefan Orosz.

Felix Dillmann (Jg. 1932),

Pensionist,

1180 Wien