Es muss so ungefähr im März 1957 gewesen sein. Damals machten der technische Fortschritt, die steigende Zahl von Telefonanschlüssen und die Internationalisierung einer ganz speziellen Wiener Eigenart den Garaus: Die hier herrschende Kombination von Buchstaben und Zahlen bei den Telefonnummern segnete das Zeitliche.

Eine Nummer, die etwa vorher A17-5-10 lautete, wurde nun zur reinen Zahlen-Nummer, in diesem Fall zu: 32-86-21. Die Reform hatte nämlich ein genaues System. Wie der Code dafür funktionierte, erklärte etwa die Zeitung "Bild-Telegraf" ihren Lesern mit Hilfe einer eigens produzierten Zeitungsbeigabe. Denn schon damals kämpfte man am Boulevard um die Leser und versuchte sie - wie auch heute - mit mehr oder weniger praktischen Beigaben an das jeweilige Blatt zu binden.

Den etwas reißerischen "Bild-Telegraf" führte damals ein gewisser Gerd Bacher. Der war damals 28 Jahre alt und wurde im Zuge eines Zeitungskrieges vom Salzburger Herausgeber Gustav Canaval ("Salzburger Nachrichten") an die Wiener Boulevard-Front geschickt. Der selbe Bacher sollte später als ORF-General zu einer Ikone des österreichischen Qualitätsjournalismus werden.

Aber 1957 gab es beim "Bild-Telegraf" nicht nur das skizzierte Nummernservice, schon damals durfte auf der Rückseite der Informationshilfe eine Portion zeitgeistiger Sexismus zum besseren Verständnis der Reform nicht fehlen: "Wie sie wohl aussehen mag, die Dame IFA BRUMLYZ? Groß und blond, klein schwarz - ja, sehen Sie, verehrter BILD-TELEGRAF-Leser, das wollen wir jetzt einmal herausbekommen", heißt es da. Deshalb machte sich die Redaktion prompt "auf die Suche". Und fragte: "Wo sitzt Wiens schönste Telefonistin mit der angenehmsten Stimme und dem liebenswürdigsten Wesen? Vielleicht können Sie uns helfen diese junge Dame (sic!) zu finden." Man wolle ihr, so der "Bild-Telegraf", "nebst wertvoller Geschenke den Ehrennamen IFA BRUMLYZ verleihen - zur Erinnerung an die Wahlscheibendame, von der wir uns jetzt trennen müssen."

Die Aktion soll damals ziemlich eingeschlagen haben. Dennoch hatte die Zeitung in der Folge kein langes Leben mehr. Sie fand ebenfalls kurz nach den Buchstaben-Nummern ihr endgültiges Ende: Der "Bild-Telegraf" wurde am 23. Juli 1958 eingestellt.

Seine Anleitung zur Nummernumstellung habe ich im Nachlass meiner Tante Grete Novak gefunden. Sie war die längst verstorbene, legendäre Gmoa-Keller-Wirtin vom Wiener Heumarkt.

Paul Vécsei (Jg. 1955),

Redakteur,

1030 Wien