Warten auf den Oberbefehlshaber Generalmajor Winterton auf dem Bahnhof der Kärntner Landeshauptstadt. - © British ISB/Picturedesk
Warten auf den Oberbefehlshaber Generalmajor Winterton auf dem Bahnhof der Kärntner Landeshauptstadt. - © British ISB/Picturedesk

Ich lebte mit meiner Familie in Klagenfurt-West. Kurz vor dem 8. Mai 1945 erfuhren wir durch den Rundfunk, dass englische Truppen von Italien kommend über Villach nach Klagenfurt einrollen würden. Voll Spannung warteten meine Freunde und ich auf der Rizzibrücke auf die Panzer. Diese parkten neben meinem Wohnhaus, aus einer Luke erschien ein Soldat, lüpfte sein Käppi und begrüßte uns mit: "Hi, boys."

Uns blieb vor Staunen der Mund offen, bald krochen mehr Soldaten aus den Panzern, begannen ein Zelt aufzustellen und holten Getränke und Speisenvorräte aus den Maschinen. Hungrig beobachteten wir das Geschehen. Schnell brodelte im Essenszelt Wasser im großen Kessel. Ein baumlanger schwarzer Teekoch warf eine Handvoll Schwarztee hinein, dann kam Kondensmilch dazu und bald reichte er uns Buben im Blechhäferl duftenden Tee mit den Worten: "Try it." Das war der Beginn einer Teekultur, die ich bis heute handhabe.

Am Abend läutete es an der Wohnungstür und ein Soldat höheren Ranges verlangte von meinen Eltern forsch das schönste Zimmer unserer kleinen Wohnung. Es wurde von ihm beschlagnahmt, während die Truppe mit den Zelten vorliebnehmen musste. Da es keinen Unterricht gab, verbrachten wir Buben immer mehr Zeit mit unseren neuen Freunden, lernten Tee trinken, Corned Beef essen und nebenbei das schmutzigste Englisch, das mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Außerdem probierten wir unsere erste Zigarette aus einer imponierenden Blechdose mit 50 Stück "Players Navy Cut" oder "Craven"; diese Marken sind mir heute noch geläufig. Wieder hieß es: "Try it" - ich tat einen langen Zug, inhalierte und sah plötzlich blaue Nebel vor meinen Augen!

Auch "Football" war eine feine Sache, es gab einen Tormann aus der dritten englischen Division, der uns einige Tricks verriet. Inzwischen wurde in der Nähe das "Headquarter British Troups Austria" errichtet. Die dortige Officers’ Mess war das reinste Schlaraffenland, gab es doch auch für uns hungrige Kinder warmes Essen, Schokolade und Kaugummi!

Die Soldaten hatten uns richtig ins Herz geschlossen! Mit unserem Untermieter, dem Leutnant, gab es regen Sprachaustausch, sodass er am Ende der Besatzungszeit passabel Deutsch sprechen konnte und ich, als die Schule wieder begann, mit meinen neu erworbenen "Vokabeln" die Englischlehrerin erröten ließ. Es war eine spannende, ereignisreiche Zeit mit vielen Erlebnissen und Menschen, die uns die harte Kriegs- und Nachkriegszeit etwas vergessen ließen.

Mag. Walter Schaden (Jg. 1933),

Apotheker i. R.,

4020 Linz