Eleganter Aufstieg mit wenigen mechanischen Hilfsmitteln, aber umso mehr Leidenschaft. - © privat
Eleganter Aufstieg mit wenigen mechanischen Hilfsmitteln, aber umso mehr Leidenschaft. - © privat

Die Vorfreude begann 1950 schon beim Präparieren der Skier. Es waren Holzbretter und die Lauffläche musste jedes Jahr neu lackiert werden.

Anfang Dezember war unsere Küche nicht nur Weihnachtsbäckerei, sondern auch Werkstatt. Die Skier wurden verkehrt auf zwei Sessellehnen gelegt und dann trug meine Mutter - sie war bei uns die Skibegeisterte - roten Lack auf. Das ermöglichte besseres Gleiten am Schnee.

Diese Prozedur wiederholte sich alle Jahre wieder. Nach dem Christkind, meist am 26. Dezember, ging’s dann richtig los. Jeder von uns (Vater, Mutter, der um ein Jahr ältere Bruder und ich) hatte den Rucksack mit dem Nötigsten gepackt, musste man doch alles selber schleppen.

Viele Erinnerungsfotos aus dem Familienalbum von Einsenderin Pia Reimitz drehen sich über viele Jahrzehnte ums Skifahren. - © privat
Viele Erinnerungsfotos aus dem Familienalbum von Einsenderin Pia Reimitz drehen sich über viele Jahrzehnte ums Skifahren. - © privat

Um sich das Tragen zu erleichtern, hatte man das komplette Skigewand an, denn die Schuhe waren ja damals aus Leder und durchaus zum Gehen geeignet. Mit der Straßenbahn fuhren wir zum Bahnhof, dann mit dem Zug und schließlich mit dem Autobus bis zur Aufstiegsstelle zur Hinteralm an der Straße zwischen Mürzsteg und Frein an der Mürz.

Dort schnallten sich die Eltern auch unsere Skier auf ihren Rucksack, um uns den Weg zu erleichtern. Der Marsch durch den verschneiten Wald dauerte zwei Stunden. Endlich am Ziel angekommen, präsentierte sich eine schöne große Wiese (natürlich ohne Lift), an deren oberem Rand eine Alpenvereinshütte stand. Das Quartier war einfach: Waschmuschel im Zimmer, WC am Gang.

Die Skitage verliefen gleichförmig. Das Pistentreten war gleichzeitig das Aufwärmen und Abwechslung boten Äste als Slalomstangen oder eine kleine selbstgebaute Sprungschanze. Ich habe es in schöner Erinnerung. Die Abende verbrachten wir bei geselligem Beisammensein und Spielen in der Hütte. Zum Abschluss - nach etwa einer Woche - wartete dann noch eine abenteuerliche Herausforderung auf uns: Abfahrt ins Tal durch den Wald, wo Wendigkeit und Reaktion gefordert waren.

Dann ging’s per Bus, Bahn und Straßenbahn wieder heimwärts. Als ich Jahre später einmal im Sommer mit meinen Kindern auf die Hinteralm wanderte, entdeckte ich mit Befriedigung auf unserer ehemaligen Skiwiese eine wunderbar intakte Flora: Trollblume, Eisenhut, Türkenbundlilie.

Es sind also nicht nur Ausrüstung, Anreise, Quartier und der Verlauf eines Skiurlaubs mit heute nicht zu vergleichen, sondern auch Folgendes ist grundlegend verschieden: Früher war Skifahren im Einklang mit der Natur; heute ist es ein Eingriff in die Natur, wie der Anblick von Skipisten im Sommer augenscheinlich zeigt.

Pia Reimitz (Jg. 1951),

AHS-Lehrerin i. R.,

7341 Markt St. Martin