Verstößt ein Angehöriger des alten Hochadels wiederholt gegen die Etikette, wird er von der "besseren" Gesellschaft geschnitten. Wobei es hier wieder eine Rangordnung gibt. Je höhergestellt der Adelige, desto mehr Fehltritte darf er sich erlauben.

Die subtilen, kaum merkbaren Unterschiede im Verhalten und die Sanktionen der Etablierten wurden von dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu in "Die feinen Unterschiede" beschrieben. Selbst wenn jemand alle Verhaltenscodes kennt: Sobald es bemüht wirkt, ist er als "Plebejer" enttarnt. Denn dann hat er die Regeln mühsam lernen müssen und diese nicht automatisch und von klein auf mitbekommen.

Eine klare Trennlinie zwischen Adel und Bürgertum gibt es heute nicht mehr, es würde auf Gelächter stoßen. Es ist auch nicht nötig, denn "blaues Blut", Erfolg im Beruf und damit eine dicke Geldbörse gehen oft Hand in Hand. Schon das ererbte und von einer Generation auf die nächste weitergegebene Bewusstsein, einer Elite anzugehören, entfaltet hier die entsprechende Wirkung.

Die Mitglieder des konservativen Altadels sind heute zwar bereit, "andere" als gleichgestellt zu werten, wenn sie über Geld, Macht und Einfluss verfügen. Allerdings müssen sie sich gewissen Regeln unterwerfen und Standards einhalten. So ist es auch heute undenkbar, dass "neureiche Parvenüs" auf Akzeptanz stoßen.

"Die Münchner Schickeria würde natürlich liebend gern zum Ball nach Karlsbad kommen", so Organisator Kalkert. Nur: "Ich will sie nicht dorthaben." Stellt man sein Geld protzig zur Schau, ist man unten durch. "Das macht man nicht", befindet Kalkert. "Die sollen auf die Bälle nach Paris oder Monaco gehen." Auch nicht gerne gesehen sei, dass eine Adelige einen Bürgerlichen heirate, der dann ihren Namen annimmt. "Dann ist man aus dem Kreis draußen. Wenn er seinen Namen behält und sie auch, ist alles in Ordnung", so Kalkert.

Ex-Adel verfügt immer noch über riesige Ländereien

Grundbesitz und Jagd sind von jeher adelige Attribute, von beidem hat man sich nicht verabschiedet. Der größte Grundbesitzer in Österreich sind zwar die Bundesforste. Dahinter folgen die Gemeinde Wien, dann die Kirche in Form verschiedener Klöster - und die Nachfahren einstiger Vertreter der Hocharistokratie. Esterhazy, Mayr-Melnhof-Surau, die Liechtensteins und die Schwarzenbergs besitzen Ländereien - zumeist handelt es sich dabei um Wald. Denn anders als in ex-kommunistischen Ländern wurde der Adel in Österreich nie enteignet.

Und selbst wenn heute "Untertanen" über Grundbesitz verfügen und jagen dürfen: Nur die Veranstaltungen des wieder auf freiem Fuß befindlichen "Landwirtes" Alfons Mensdorff-Pouilly sind einigen Generaldirektoren und Politikern in bleibender Erinnerung. Zwischenzeitlich war der Lobbyist allerdings mit Jagdverbot belegt. Und die feine Gesellschaft, die hat den "Grafen Ali" längst aus ihren Kreisen verstoßen.