Anfang März versuchte Schuschnigg, die Initiative zurückzugewinnen und löste damit den letzten Akt des Dramas aus. Mit dem einstigen Kampfruf des Tiroler Freiheitshelden Andreas Hofer, "Mander, es isch Zeit!", kündigte er am 9. März in Innsbruck die Abhaltung einer Volksbefragung für Sonntag, den 13. März, an. Die Parole sollte lauten: "Für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich!"

Hitler und seine Paladine befürchteten wohl zurecht, dass eine Mehrheit für Österreich stimmen würde, zumal am Morgen des 11. März das Zentralkomitee der Revolutionären Sozialisten die Arbeiter aufforderte, mit "Ja" zu stimmen. Das musste verhindert werden: Hitler benötigte für die weitere Kriegsvorbereitung Österreichs Arbeitskräfte, Rohstoffe und Devisen.

Die Chronologie der wichtigsten Ereignisse vom 10. bis 12. März stellt sich in Kurzfassung folgendermaßen dar: Am Vormittag des 10. März reagierte Hitler auf Schuschniggs Rede; er befahl, das "Unternehmen Otto", d. h. den Einmarsch in Österreich, für den 12. März vorzubereiten; um 18.30 Uhr wurde der entsprechende Mobilisierungsbefehl erteilt. Gleichzeitig wurde Arthur Seyß-Inquart, seit dem 16. Februar Innen- und Polizeiminister, aufgefordert, von Schuschnigg ultimativ die Absetzung der Volksbefragung zu fordern. Joseph Goebbels notierte in sein Tagebuch:

"Noch bis 5h nachts mit dem Führer allein beraten. Er glaubt, die Stunde ist gekommen. Will nur noch die Nacht darüber schlafen. Italien und England werden nichts machen. Vielleicht Frankreich, aber wahrscheinlich nicht. Risiko nicht so groß wie bei der Rheinlandbesetzung." [im März 1936]

Die März-Ereignisse

Am 11. März um 10.00 Uhr stellte Seyß-Inqart das Ultimatum, um 11.30 Uhr akzeptierte Schuschnigg. Um 13.00 Uhr unterzeichnete Hitler die Weisung Nr. 1 für den Einmarsch am 12. März. Eventueller Widerstand sollte "mit größter Rücksichtslosigkeit durch Waffengewalt" gebrochen werden.

Wenige Minuten nach 13.00 Uhr folgte das bis auf 17.30 Uhr befristete zweite Ultimatum von Seyß-Inquart: Rücktritt des Kabinetts und Neubildung durch ihn, andernfalls Einmarsch der deutschen Truppen. Fast gleichzeitig begann in den Städten und Ländern die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten; das alte Regime brach nahezu widerstandslos zusammen. Schuschnigg trat um 16:00 Uhr zurück.

"Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland" 

Wenig später folgte das dritte Ultimatum, diesmal an Bundespräsident Wilhelm Miklas: bis 19.30 Uhr Ernennung von Seyß-Inquart zum neuen Bundeskanzler. Während Miklas sich noch weigerte, kapitulierte Schuschnigg: um 20.00 Uhr gab er über den Rundfunk Ultimatum und Einmarschdrohung bekannt und verabschiedete sich von seinen Landsleuten mit dem Satz: "Gott schütze Österreich". Anschließend ging er nach Hause und las Goethe. Das Bundesheer wurde angewiesen, beim Einmarsch deutscher Truppen sei "kein Schuss abzugeben". Tirol war damals am schnellsten: als erstes Bundesland meldete es um 21.00 Uhr Vollzug: Die Nazis hatten die Regierung übernommen.