Wie kann man vermeiden, dass Bürgerinitiativen und Beteiligungen von Interessensgruppen gekapert werden?

Das Ziel meiner Recherche für das Buch war, gelungene Projekte in den Vordergrund zu stellen, aber ich habe natürlich auch Beispiele entdeckt, wo die Bürgerbeteiligung zur Farce verkommt. Eines muss man wissen: Wenn man zur Beteiligung einfach nur einen Raum aufmacht und sagt. "Kommt’s und redet’s mit!", wird das nicht funktionieren.

Ich glaube, dass die Zufallsauswahl, wie sie beim irischen Bürgerrat zum Einsatz kam, ein gutes Instrumentarium ist, nicht immer dieselben Wortführer zu Gehör zu bringen oder jene, die am lautesten schreien, abzuholen, sondern alle Bevölkerungsschichten mit ins Gespräch zu bringen. Natürlich braucht ein Bürgerrat einen objektiven Vorsitz, eine gute Begleitung durch erfahrene Moderatoren und entsprechende verlässliche Informationsquellen und Experteninputs, um mit seinen Empfehlungen einen konstruktiven Beitrag leisten zu können.

Und eine differenzierte Diskussion, womit sich der Kreis wieder schließt. Ist unter anderem das Forum Alpbach ein Raum für solche offen geführten Diskussionen?

Wir bemühen uns jedenfalls darum, weil wir nicht hinter jeder Schlagzeile herhecheln und weder aufmerksamkeitsheischende Talkshowdebatten noch Skandale liefern. Das ginge relativ leicht, wenn wir das wollten. Wir setzen ganz bewusst auf einen sachlichen Dialog. Natürlich gibt es auch immer Politiker, die das Forum nur als Bühne benutzen wollen, obwohl wir immer betonen, dass uns das nicht recht ist. Das fällt aber dem kritischen Publikum sowieso auf. Andere Politiker wiederum nutzen das Angebot, sich hier zu vernetzen und auszutauschen. Diese nehmen sich dann wirklich Zeit, interessante Köpfe kennenzulernen oder mit jungen Menschen in Kontakt zu treten. Aufgrund dieses qualitätsvollen Austausches hat das Forum Alpbach einen enormen Zuspruch und es wollen jedes Jahr mehr Menschen herkommen.