Den Hut hatte er schon auf dem Kopf, als wir ihn vor gut 20 Jahren das erste Mal zum Interview trafen. Es war damals schon ein Kleidungsstück mit viel Patina, nur das Gesicht darunter war noch frischer. Doch Johnny Depp ist immer noch sein eigenes Markenzeichen, das konnte der inzwischen 56-jährige in Berlin beweisen: Die zahllosen Fans schrieen sich die Seele aus dem Leib wie zu guten, alten "Fluch der Karibik"-Zeiten. Hier ist der zwischenzeitlich tief gefallene Johnny immer noch ein Superstar.

Einer aber, der inzwischen kleinere Brötchen bäckt. Im Berlinale-Programm ist er mit dem Drama "Minamata" vertreten. Depp ist darin der US-amerikanische Fotograf W. Eugene Smith, und der Film ist ihm ein Herzensprojekt. "Ich hatte schon immer eine merkwürdige Faszination für W. Eugene Smith. Anfangs waren es natürlich seine Fotos. Aber ich habe dann einiges über ihn und sein Leben gelesen und darüber, was er durchgemacht, erlebt und geopfert hat", so Depp bei der Pressekonferenz in Berlin. "Minamata" erzählt von der gleichnamigen Krankheit, die erst dadurch entstand, weil der Chemiekonzern Chisso quecksilberhaltige Abwässer in offene Gewässer in Japan kippte. Dadurch kamen viele Babys mit Missbildungen zur Welt. "Mir war dieser Film deshalb so wichtig, weil ich finde, dass diese Story gezeigt und bekannt werden muss. Das war eine wahre Tragödie und es ist für mich eine Verpflichtung, den Menschen die Augen zu öffnen." W. Eugene Smith, ein Rastloser, ein auch exzessiver Kopf, was Alkohol und Drogen anging, warf sich für eine Sache immer voll ins Zeug, wenn er daran glaubte. "In seinem Kopf war es wahrscheinlich immer laut", sagt Depp. "Der Film war eine große politische Aufgabe, aber Katastrophen betreffen natürlich auch Menschen persönlich. Wir sind klein und müssen doch mit riesigen Problemen fertig werden".

Ein nachdenklicher Mann unterm Hut mit Patina: Johnny Depp - © Katharina Sartena
Ein nachdenklicher Mann unterm Hut mit Patina: Johnny Depp - © Katharina Sartena

Gewohnt still und unaufgeregt, so ist Johnny Depp, aber zumindest sein schüchternes Verhalten gegenüber der Fans hat er diesmal daheim gelassen: In Berlin nahm er sich viel Zeit und gab Autogramme und posierte auch für Selfies. Ein Star zum Anfassen, der weiß, dass auch der Ruhm eines Tages vergehen wird.