Wo Hillary Clinton auftaucht, ist der Medienrummel nicht weit. Die einstige US-Außenministerin und First Lady wurde in Berlin von vielen als "Präsidentin der Herzen" gefeiert, weil ihr Auftritt so unendlich sonniger ist als der jenes Mannes, gegen den sie vor bald vier Jahren das Rennen um das Weiße Haus verloren hat.

Die einstige US-Außenministerin und First Lady wurde in Berlin von vielen als "Präsidentin der Herzen" gefeiert. - © Katharina Sartena
Die einstige US-Außenministerin und First Lady wurde in Berlin von vielen als "Präsidentin der Herzen" gefeiert. - © Katharina Sartena

Die damaligen Ereignisse scheinen noch keineswegs verdaut, das zeigt die vierteilige Dokuserie, die Clinton hierher mitgebracht hat. Es ist ein umfangreiches Porträt der Politikerin, das sie für ihre Frauenpower feiert. In "Hillary" zeichnet Regisseurin Nanette Burstein nicht bloß die Karriere von Clinton nach, sondern verwendet besonders viel Zeit damit, den Wahlkampf von 2016 nachzuzeichnen. Der Film verbindet Aufnahmen hinter den Kulissen während des Wahlkampfes mit Interviews von Freunden und politischen Weggefährten Clintons. Zu Wort kommt auch ihr Ehemann, Ex-US-Präsident Bill Clinton, der unter anderem über die Affäre mit der Praktikantin Monika Lewinsky spricht.

Sieben Tage lang Fragen

"Ich konnte ja schlecht nur über die positiven Seiten sprechen", sagte Clinton in Berlin über das Projekt. "Das hätte ich lächerlich gefunden. Schließlich habe ich ein Leben voller Höhen und Tiefen gelebt, wie jeder von uns."

Clinton stellte sich für die Dreharbeiten sieben volle Tage lang den Fragen von Burstein, "und ich muss sagen, dass Hillary in keiner Weise vorgegeben hat, was ich fragen sollte und was nicht", sagt Burstein. "Hillary hat sich alle Fragen stellen lassen und hat sie auch alle beantwortet." Herausgekommen ist ein breit gefächertes, aber natürlich recht wohlwollendes Porträt, das Clintons Weg abseits der Tagespolitik schildert. "Wichtig war mir, ihren Weg und ihre Haltung zu reflektieren, um herauszufinden, welchen gesellschaftlichen Einfluss ihre Karriere hatte". Dieser Einfluss ist unbestritten, trat Clinton doch als erste Frau um das Präsidentenamt an. "Ich war damals die erste Frau in einem solchen Wahlkampf, ich hoffe, dass sich künftig mehr Frauen politisch engagieren", sagt Clinton. Wichtig sei dabei, immer ehrlich zu sich selbst zu sein und Kritik nicht persönlich zu nehmen: "Die Doku schafft es, mich in einem 360-Grad-Blick zu zeigen. Ich bin ein Mensch, und wie jeder Mensch habe ich Stärken und Schwächen, Meinungen, Ansichten und Gefühle. Weil ich damals auf eine Bühne trat, wo vor mir noch nicht viele Frauen waren, und weil ich nach dem höchsten Amt der USA strebte, gab es viele Reaktionen. Viele haben versucht, mich so darzustellen, wie ich nicht bin", sagte Clinton.

Man habe ihr unrecht getan, denn: "Als ich als Außenministerin unter Obama abtrat, hatte ich 69 Prozent Beliebtheitswerte, und danach hat mich der politische Gegner runtergemacht", sagt Clinton, die auch Wladimir Putin erwähnt: "Ich glaube, Putin hat mich niemals falsch verstanden, er wusste immer, wer ich war. Er hat seinen Nachrichtendienst auf mich angesetzt, um mich schlecht zu machen. Man muss sich in der Politik nicht mögen, aber jetzt sind wir an einem Punkt, wo unsere politischen Anführer wieder vom Volk kommen sollten, und nicht durch fehlgeleitete Information oder Manipulation an die Macht gelangen."

Brisant die Frage nach der Verurteilung von Harvey Weinstein im #MeToo-Prozess: Weinstein, der 2016 Clintons Wahlkampf mit Millionen unterstützt hatte, ist inzwischen auch bei ihr in Ungnade gefallen. "Weinstein hat jede Kampagne der Demokraten unterstützt, auch die von Obama zum Beispiel. Ich weiß nicht, ob dieser Umstand nun andere davon abhalten sollte, sich für Wahlkämpfe einzusetzen." Die Verurteilung Weinsteins kommentierte Clinton nur knapp: "Das Urteil der Geschworenen spricht für sich selbst".

Nachgeschmack

Ausführlicher wurde sie dann nochmals, als man sie auf Donald Trumps Politik ansprach. "Trumps Regierungsstil ist sicherlich eine Ermutigung für andere autoritäre Politiker, diesem Modell nachzueifern. Das sehen wir ja auf der ganzen Welt. Aber ich finde, dass seine Politik des Herabschauens auf andere eine Bedrohung für die Demokratie ist." Weshalb man Hillary Clinton in Berlin auch eine zwar eindeutige, aber an keine Namen gebundene Wahlempfehlung für die Präsidentenwahl im Herbst entlocken konnte: "Wen immer die Demokraten nominieren, dahinter werde ich stehen", sagt Clinton. Wer soll denn der nächste Präsident werden? "Nicht der gegenwärtige! Dazu habe ich eine ganz eindeutige Position", sagt Clinton. "Es wird sie nicht überraschen, dass ich es als absolut notwendig empfinde, dass der derzeitige Amtsinhaber abgewählt wird." Da spendet die Berlinale-Presse Applaus. Und irgendwie blieb dann der Nachgeschmack, gerade einer Wahlveranstaltung beigewohnt zu haben.