Er ist gebildet, spricht mit vornehmem britischen Akzent und löst jede Rechenaufgabe schnell wie ein Taschenrechner. Er ist galant, kann romantische Stimmung aus dem Ärmel schütteln und übernimmt die Hausarbeit ohne Murren. Sein Name ist Tom (Dan Stevens), und er kann gar nicht mehr damit aufhören, der Wissenschafterin Alma (Maren Eggert) schöne Augen zu machen. Doch Tom ist kein Mensch, auch, wenn er vielleicht so aussieht. Tom ist ein Roboter. Einer, der dank künstlicher Intelligenz dazu imstande ist, für Alma der perfekte Lebens- und Liebespartner zu sein.

Die Online-Berlinale 2021 fand mit Maria Schraders "Ich bin Dein Mensch" am Montag einen gelungenen Auftakt, die Schauspielerin und Regisseurin entspinnt hier ein durchaus dystopisches Zukunftsidyll, an dem mehr unheimlich ist als romantisch. Drei Wochen lebt Alma mit der Maschine Tom zusammen, drei Wochen lang soll sie das Gerät testen, um hernach ihre Meinung über die Entwicklung kundzutun.

Maria Schrader überzeugt bei der Berlinale. - © Katharina Sartena
Maria Schrader überzeugt bei der Berlinale. - © Katharina Sartena

Selbstoptimierung

Die Vorlage ist eine Kurzgeschichte von Emma Braslavsky, die Schrader mühelos mit Spannung auflädt und dabei ganz nebenbei von der Imperfektion und ihrer Schönheit erzählt. "Mir gefiel die Idee von einer Maschine, die so weit entwickelt ist, dass sie nicht nur Dienstleister sein, sondern auf Augenhöhe auch ein Partner für die Menschen werden kann." Der Robotermann als perfekter Partner sei vor allem in einem Punkt interessant: "Das Spannungsfeld zwischen der Menschlichkeit und den Algorithmen, die man ihm eingespeist hat, ist faszinierend", findet Schrader, die mit dem Film auch einen Kommentar zur beständigen Selbstoptimierung der Gesellschaft abgibt, in der alles konsumgesteuert und kommerzorientiert abläuft. "Wenn dir das gefallen hat, dann könntest du auch dies lieben. Ich hasse es, wenn mir Algorithmen etwas vorschlagen", so Schrader.

Weshalb ihre Protagonistin auch ihrem Roboterlover (mit echten Liebhaberfähigkeiten) skeptisch begegnet - der ist nämlich so designt, dass er die Bedürfnisse seiner "Besitzerin" optimal erfüllt. Die Unordnung im Wohnzimmer ist auch schnell aufgeräumt, wobei: Da verwehrt sich Alma schon ein Stück, wenn man ihr liebgewordenes Chaos beseitigt. "Das ist kein Problem", sagt Tom, "ich benötige elf Minuten, um es wieder in den Ursprungszustand zu versetzen. Die Fenster mache ich auch gleich wieder schmutzig." Nein, sagt Alma, "die können so bleiben".

Rebellion gegen Algorithmen

"So sehr Alma das Konzept vom Robotermann ablehnt, so aufmerksam ist sie auch, sie beobachtet Tom sehr genau", sagt Schrader. "Es ist geradezu unheimlich, wie sich diese Beziehung entwickelt, denn nichts von diesem Zusammensein zwischen den beiden ist wie ein Dialog zwischen echten Menschen". Das Dystopische an "Ich bin Dein Mensch" ist tatsächlich das Maß an Perfektion. "Kann das wirklich sein, dass wir mit jemandem eine Partnerschaft gründen wollen, der so perfekt, so glatt ist?", fragt Schrader. Es ist eine rhetorische Frage.

Genau wie die Reaktion, die Schrader auf die Vorschläge von Algorithmen an den Tag legt. "Ich klicke dann oft ganz bewusst auf andere Sachen, nur um zu sehen, ob mir dann später Soft-Pornos oder so was angeboten werden", lacht die Regisseurin. "Ich reagiere auf diese Art von Vorschlägen mit Rebellion."

Es ist ein sympathischer Auftakt für das deutsche Kino im Corona-Jahrgang der Berlinale: Schrader, als Schauspielerin hier schon einmal mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet, geht feinfühlig vor im Austarieren zwischen programmierter Gefühlsregung und aktiver Suche nach Liebe und Geborgenheit. Ihre beiden Darsteller sind hierzu perfekt gewählt, und auch Sandra Hüller als Toms Vermieterin und Entwicklerin gefällt zwischen Fürsorge und nahezu mathematischer Genauigkeit. Man sollte sich, das lehrt der Film, als Mensch zuallererst auf sein Bauchgefühl verlassen, dann liegt man meistens ziemlich richtig.