Berlin. Josef Hader ist tapfer. Friert im dünnen Anzug am roten Teppich zu Berlin bei Minus 3 Grad, da nützt auch die aufgestellte Wärmelampe nichts. "Aber das ist halt so, wenn man hier einen Film vorstellt: Man wird drei Tage als Zirkuspferd von einem Termin zum nächsten gebracht", lacht Hader, der die frostige Interview-Tortur am nächtlichen roten Teppich mit Bravour übersteht.

Für Hader geht es ja auch um einiges. Die Berlinale hat seine erste Regiearbeit, zu der er auch das Drehbuch verfasst hat und in der er selbst die Hauptrolle spielt, gleich in den Wettbewerb aufgenommen, sozusagen der Ritterschlag für alle Erstlingsfilmer. "Wilde Maus" heißt das gute Stück, und es ist eine Mischung aus Komödie und Drama geworden, die Hader hier serviert: Ein soeben entlassener Musikkritiker einer Wiener Tageszeitung (Hader) verschweigt seiner Frau (Pia Hierzegger) den Jobverlust und streunt stattdessen durch den Wiener Prater, wo er gemeinsam mit einem Strizzi (Georg Friedrich) eine alte Achterbahn, die titelgebende "Wilde Maus", neu eröffnet. Zugleich unternimmt er von Rachegedanken getriebene Aktionen gegen den Chefredakteur, der ihn gefeuert hat.

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"Wilde Maus" kann die Erwartungen an eine unterhaltsame Tour de force gegen den ehemaligen Arbeitgeber voll und ganz erfüllen; Hader inszeniert erstaunlich gelassen und setzt auf die Natürlichkeit seines Darstellerensembles, zündet dann und wann lakonische Pointen und webt dem Plot eine aktuelle, gesellschaftspolitisch relevante Ebene ein: "Es geht um einen Mann aus dem Mittelstand, eigentlich um eine neue Bürgerlichkeit, und wie diese mit dem Verlust der Existenzgrundlage bedroht wird", sagt Hader, der in Berlin sein Ensemble, Pia Hierzegger, Georg Friedrich und Nora Waldstätten im Schlepptau hatte.

Wie das ist, erstmals selbst Regie zu führen? "Anstrengend", gibt Hader zu, "und ich wusste davor nicht, wie ich das machen sollte, aber auch danach wusste ich nicht mehr, wie ich es gemacht habe".

Die Fans des gewohnt trockenen Kabarettisten Josef Hader kommen bei "Wilde Maus" jedenfalls voll auf ihre Kosten, und was die Premiere bei der Berlinale im Wettbewerb angeht, gibt sich Hader entspannt. "Wir haben es überraschend in den Wettbewerb geschafft, aber ich denke, das war es dann auch. Ehrlich, ich bin sehr froh über diese Auszeichnung". Ob das deutsche Publikum wohl auch alle Gags aus "Wilde Maus" verstehen werden, trotz der wienerischen Sprache? "Wir haben uns bemüht, ordentlich zu reden", lacht Hader. Und hatte vor der Premiere einen Trost für alle, die des Wienerischen doch nicht mächtig sind. "Es gibt hier auch englische Untertitel".