Georg Friedrich bekam für "Helle Nächte" den Silbernen Bären als bester Schauspieler. - © Katharina Sartena
Georg Friedrich bekam für "Helle Nächte" den Silbernen Bären als bester Schauspieler. - © Katharina Sartena

Er ist kein Mann der großen Worte, gerade im Umgang mit der Presse, das weiß man von Georg Friedrich. Und zu seinem Interview-Tag bei der Berlinale ist er gar nicht erst aufgetaucht, aber auch das verzeiht man diesem Ausnahmeschauspieler, der nicht nur Josef Haders "Wilde Maus" mit der Performance eines Prater-Strizzis adelte, sondern auch im Wettbewerbsbeitrag des deutschen Filmemachers Thomas Arslan beeindruckte, und zwar mit der einfühlsamen und zugleich aufbrausenden Darstellung eines Vaters, der Zugang zu seinem Sohn sucht. Im gemeinsamen Autotrip durch Norwegen wird Friedrich in "Helle Nächte" auf eine Tour ins Ungewisse geschickt, weil weder Vater noch Sohn wissen, ob sie einander verstehen werden, ob sie sozusagen "kompatibel" sind. Die Jury rund um Paul Verhoeven hat Friedrich den Preis überreicht, und der hat gleich mal seinen Kaugummi auf den Silbernen Bären gepickt, als er ihn auf der Bühne des Berlinale-Palasts in Händen hielt.

Später stand Friedrich Journalisten noch kurz für Fragen zur Verfügung, die wir hier aufgezeichnet haben:

Herr Friedrich, bleibt der Kaugummi nun auf dem Bären kleben?

Georg Friedrich: Ich wollte mich mit dem Bären anfreunden, deshalb habe ich ihm den Kaugummi aufgepickt, das war nicht so gedacht, dass ich den Preis schmälern wollte. Der Kaugummi ist aber inzwischen schon wieder in meinem Mund.

Wie geht es Ihnen damit, dass Sie der erste Österreicher sind, der diese Auszeichnung erhalten hat - in 67 Jahren Berlinale-Geschichte?

Es geht mir großartig damit, es ist ein wahnsinnig schönes Gefühl. So eine Wertschätzung für seine Arbeit zu bekommen, ist was Befreiendes und Beflügelndes und gibt mir viel Kraft und Freude.

Wie funktioniert eigentlich Ihre Rollenwahl? Welche Charaktere interessieren Sie besonders?

Das kann ich nur schwer sagen, denn ich wähle meine Filme nicht nach dem Drehbuch aus. Ich bin ein schlechter Leser, ich kann Drehbücher nur schwer bewerten und beurteilen. Ich entscheide eher danach, ob ich dem Regisseur was zutraue und ob ich ihn gut leiden kann.

Noch eine Frage zu "Helle Nächte", dieser Vater-Sohn-Geschichte: Haben Sie sich mit der Vaterfigur leichter getan, weil Sie selbst Vater sind?

Ich habe privat auch Probleme mit dem Vatersein, und meinen Sohn lange nicht gesehen, er war in einer anderen Stadt und viele Kilometer lagen dazwischen. Aber daraus konnte ich nichts für die Rolle schöpfen, denn das ist eine ganz andere Situation. Es haben zwei Menschen immer eine ganz eigenen Chemie, ich kann Erfahrungen, die ich mit einem Menschen habe, nicht automatisch auf einen anderen drüberstülpen, sondern muss mich auf mein jeweiliges Gegenüber am Set einstellen.