Der Beginn von Robert Pattinsons "Twilight"-Saga liegt inzwischen schon ein Jahrzehnt zurück, und doch ist der 31-jährige, der inzwischen Filme ganz anderer Anmutung dreht, noch immer ein Teenie-Idol. "Ich weiß nicht, woran es liegt, aber gerade hier in Berlin ist die Fangruppe sehr ausdauernd und hartnäckig", freut sich Pattinson. "Sie stehen stundenlang in der Kälte, um mich zu sehen, ich bin dafür sehr dankbar und auch demütig", sagte Pattinson in Berlin.

Der Schauspieler stellte hier die Western-Komödie "Damsel" der Brüder David und Nathan Zellner im Wettbewerb um den Goldenen Bären vor, "ein Genre, das es eigentlich nicht gibt", lacht Pattinson. "Es ist selten, eine Komödie angeboten zu bekommen, in der du einen interessanten Charakter spielen kannst. Es ist irgendwie eine abstrakte Version einer Komödie. Es hat mich so beeindruckt, wie es ein Drama getan hätte. Und es ist so befreiend, einmal auch abseits des Mainstreams komisch zu sein. Ich glaube, das ist uns hier gut gelungen".

"Damsel" erzählt von Samuel Alabaster (Pattinson), einem jungen Abenteurer in den USA zur Zeit des Wilden Westens, der einen Priester quer durchs Land schleppt, damit ihn dieser mit seiner Angebeteten vermählen kann. Die Reise läuft anders als geplant: Denn Penelope, die Herzensdame, gespielt von Mia Wasikowska, ist alles andere als einfach zu finden, zumal Samuel glaubt, sie sei entführt worden. Umso penibler ist seine Vorbereitung für den Moment ihres Auffindens - da wird auch schon geprobt, wie ihr sogleich der Ring an den Finger gesteckt werden soll, nachdem ihr Entführer mit Kopfschuss zur Strecke gebracht worden ist.

"Damsel" hat starke, komische Momente, doch die Regiebrüder Zellner schöpfen das Potenzial dieser absurden Story zu wenig radikal aus. Ein bisschen mehr Mut zum Unkonventionellen hätte dem Film gut getan, wenngleich die Besetzung den Erwartungen voll entspricht und auch Pattinson als überreagierendes Greenhorn und liebenswürdiger Tölpel eine gute Leistung bringt.

"Ich mag Filme, die Grenzen überschreiten", sagt Pattinson, der aber auch nichts gegen weitere Franchises wie "Twilight" hätte. "Ich verweigere mich dem Mainstream nicht, aber es ist schön, wenn Schauspieler wie ich oder Mia auch immer wieder einmal etwas machen können, das außerhalb davon liegt".

Ko-Star Mia Wasikowska und Pattinson wurden im Zuge der Pressekonferenz zum Film in Berlin auch auf die #MeToo-Debatte angesprochen. "Es ist wunderbar, die Energie der Bewegung zu fühlen", sagte Wasikowska. "Je mehr starke Frauen wir als Vorbilder sehen, umso besser. Es sorgt jetzt wirklich für Veränderungen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind." Und Pattinson meinte: "Es ist unglaublich, wenn solch ein Damm bricht und die Betroffenen sind auf einmal in einer großen Anzahl da, dass sie keine Angst mehr haben müssen, zu sagen, was ihnen passiert ist."