Berlin. Sie wird derzeit von der deutschen Presse hofiert und in den Himmel gelobt: Schauspielerin Marie Bäumer, 48, die in "3 Tage in Quiberon" in die Rolle von Romy Schneider schlüpft (die Wiener Zeitung berichtete), ist beängstigend nahe dran an der Filmlegende und der privat arg gebeutelten Frau, die bei einem Kuraufenthalt 1981 in der Bretagne den deutschen "Stern"-Journalisten Michael Jürgs (Robert Gwisdek) und den Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner) empfängt, in der Hoffnung, in einem Interview all die Gemeinheiten der deutschen Presse entkräften zu können. Romy Schneider zeigte damals ihre ganze Verletzlichkeit und war nur wenige Monate später mit dem Tod ihres erst 14-jährigen Sohnes konfrontiert, der letztlich auch ihr Todesurteil sein sollte. Aber schon zum Zeitpunkt des Interviews war Romy ein nervliches Wrack, das seinen Kummer in Alkohol, Zigaretten und Tabletten ersticken wollte. "Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren", schrieb sie damals.  

Regisseurin Emily Atef geht sehr behutsam an die Geschichte. "Ich merkte gleich, mit welcher Akribie sie sich vorbereitet hat", streut ihr Bäumer Rosen. "Für mich selbst war es aber ungemein wichtig, mich in meiner Vorbereitung nicht eingrenzen zu lassen, denn nur so konnte und wollte ich mich der komplexen Figur von Romy Schneider annähern", sagt Bäumer. "Unser Ziel war es nämlich keineswegs, ein Imitat von Romy auf die Leinwand zu bringen, sondern mir die Freiheit der Interpretation zu erlauben".

- © Katharina Sartena
© Katharina Sartena

Vielleicht ist "3 Tage in Quiberon" gerade deshalb ein scheinbar so authentischer Film geworden, weil sich Bäumer darin ungestört entfalten kann. Noch in der ersten Einstellung hat man echte Probleme, sie als Romy Schneider zu akzeptieren, doch das fällt spätestens in den Szenen, in denen sie für Lebecks Kamera posiert und im Interview mit Jürgs emotional aus der Spur geworfen wird. "Ich habe mir sehr viele Interviews mit Romy Schneider angesehen, oder auch ihre Fernsehauftritte, um ihre Gestik und vor allem ihre Sprache zu studieren", erzählt Bäumer. "Romy hatte diese ganz spezielle österreichische Sprachfärbung, die auch zu hören war, wenn sie französisch sprach. Das war die größte Herausforderung für mich".

Und Bäumer meistert diese Herausforderung bravourös: Gerade mit der passgenauen Interpretation der eigentümlichen Sprache Schneiders wird sie, die optisch bereits zu Romy gestylt wurde, endgültig zu der 1982 verstorbenen Filmikone. Es ist fast schon gespenstisch, wie ähnlich sich die beiden sind.

Um in diesen Zustand zu gelangen, musste sich Bäumer komplett in die Figur von Romy Schneider fallen lassen und permanent "in der Rolle" bleiben. Eine Belastung für sie und ihre unmittelbare Umwelt? "Ich war irgendwo im Nebel verschwunden in dieser Zeit, und ich habe aber gesehen und gespürt, wie sehr sich alle um mich gekümmert haben", sagt Bäumer. Schon oft sei ihr angeboten worden, Romy Schneider zu spielen, und immer habe sie abgelehnt. "Das Thema ist für mich jetzt auch erledigt", so Bäumer. Aber bereut hat sie es keineswegs: "Es war für mich eine unglaubliche Reise".