Zürich. Der Preis des Bitcoins ist seit Tagen unter Druck. Weil es zur "Krypto-Leitwährung" eigentlich keine neuen Nachrichten gibt, sehen viele Marktbeobachter ein Netzwerk-Update beim "kleinen Bruder" Bitcoin Cash als Auslöser für die Talfahrt.

Am Montagmittag kostete ein Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp kurzzeitig unter 5.200 Dollar (4.583,1 Euro) und fiel damit auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Damals im Herbst 2017 begann der Bitcoin seinen raketenhaften Aufstieg bis knapp an die Marke von 20.000 Dollar.

Die Gründe der Talfahrt orten viele Experten beim "kleinen Bruder" des Bitcoins: Bitcoin Cash. Die mit 6,3 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung viertgrößte Kryptowährung verlor alleine in den letzten sieben Tagen knapp ein Drittel an Wert. Nachdem der Kurs anfangs November bis auf knapp 650 Dollar gestiegen war, notiert die Bitcoin-Alternative zur Berichtszeit bei 360 Dollar.

Grund dafür ist laut Experten ein Kampf der Schürfer ("Hash War"), der innerhalb der verschiedenen Lager der Bitcoin-Cash-Anhänger ausgebrochen ist. Dabei gehe es vereinfacht gesagt darum, wer nach einer Abspaltung die bisherige Blockchain für sich beanspruchen kann, schreiben etwa die Experten der Falcon Private Bank in einer Publikation von letzter Woche.

Angesichts der mittlerweile großen, aber vielfach umstrittenen Bedeutung von Bitcoin Cash, dürfte daher der Ausgang dieses Kampfes große Auswirkungen auf den gesamten Kryptomarkt haben, so die Experten weiter. "Dies ist ein sehr wichtiges Thema für die gesamte Krypto-Gemeinde", wurde betont. Der Vorgang markiere einen erneuten Test der Überlebensfähigkeit der dezentralen Strukturen und technischen Prinzipien von Kryptowährungen.

Dass nun die Wirrungen um die Bitcoin-Alternative auf den ganzen Markt durchschlagen, habe laut Experten mehrere Gründe. Die Auseinandersetzungen um Bitcoin Cash seien aber sicherlich der Startschuss für die breite Ausverkaufswelle gewesen, sagte Julien Hawle von der Bank Frick gegenüber der Nachrichtenagentur AWP.

"Seit der Abspaltung zeigt sich, dass die im Vorfeld unklare Informationslage nun für große Unsicherheit im Markt sorgt", so Hawle. Hinzu komme, dass der Hash War zwischen den beiden Bitcoin-Cash-Lagern beide Seiten viel Geld koste: "Um die momentan hohen Mining-Kosten zu decken, könnten die Kontrahenten gezwungen sein, ihre Bestände an Bitcoins zu veräußern, um ihre Kriegskassen zu füllen", erklärte der Blockchainexperte. Dies bedeutet laut Hawle, dass der Verkaufsdruck beim Bitcoin anhalten dürfte, solange nicht klar ist, wer den Kampf um Bitcoin Cash gewonnen hat.