Caracas. Im Zuge des Bitcoin-Booms will Venezuela mit Hilfe einer eigenen Digitalwährung seiner Finanznot entkommen. Präsident Nicolas Maduro kündigte das neue Zahlungsmittel mit dem Namen "Petro" in seiner sonntäglichen Fernsehansprache an. Damit will sich das sozialistisch geführte Land gegen die Sanktionen der USA wehren und die am Boden liegende Wirtschaft wiederaufrichten.

Im Gespräch ist zudem, den "Petro" auch bei der stockenden Rückzahlung der gewaltigen Auslandsschulden einzusetzen. Wann und wie er eingeführt werden soll, ließ Maduro allerdings offen. Die Opposition, die Maduro das Streben nach einer Diktatur vorwirft, äußerte große Zweifel, ob der Regierung dieser Kraftakt jemals gelingen werde.

Venezuela steht ökonomisch mit dem Rücken zur Wand. Der Ölpreisverfall der vergangenen Jahre drückt massiv auf die Einnahmen des OPEC-Staates. Die Landeswährung Bolivar hat dramatisch an Wert verloren. Der Mindestlohn entspricht deswegen nur noch 4,30 Dollar (3,62 Euro) - im Monat. Der Kursverfall erschwert die Zahlung der Verbindlichkeiten im Ausland. Die galoppierende Inflation trifft die unter Nahrungsmittel- und Medikamentenmangel leidende Bevölkerung hart.

Hinzu kommen die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafmaßnahmen, die sich gegen Regierungsmitglieder Venezuelas, Manager des staatlichen Ölkonzerns PDVSA und die Ausgabe von Staatsanleihen richten. Damit werden Geschäfte beschränkt, die über internationale Banken laufen. Beeinträchtigungen gibt es zudem bei der Rückzahlung von Schulden und bei bestimmten Ölexporten. Die USA werfen Maduro und seiner Regierung den Aufbau einer Alleinherrschaft und Korruption vor. Die Opposition hatte über Monate versucht, ihn mit Massenprotesten zu stürzen.

Maduro wirft den USA dagegen eine Verschwörung zum Sturz seiner Regierung und zur Vernichtung des Sozialismus in Südamerika vor. Sein Land befinde sich in einem "Finanz-Weltkrieg", betonte er und stellte einen Ausweg aus der Krise in Aussicht: "Venezuela wird eine Kryptowährung schaffen." Sie werde zu einer Überwindung der Finanzblockade beitragen. Besichert werden soll sie mit Rohstoffreserven. Nach Einschätzung von Oppositionspolitikern könnte Maduro die neue Währung auch in den Verhandlungen mit Gläubigern als Zahlungsmittel anbieten. Der Präsident sieht sich zu einer Umstrukturierung der Schulden gezwungen, weil er der Verbesserung der Versorgungslage im Inland Vorrang einräume.

Sein Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der die phänomenalen Kursgewinne der bekanntesten Kryptowährung Bitcoin auch die angestammte Finanzwelt hellhörig machen. Bisher gelten solche Währungen gemeinhin nicht als seriöse Anlagen, sondern als dubiose, hochspekulative Finanzvehikel, die mangels staatlicher Kontrolle leicht für kriminelle Machenschaften zu missbrauchen sind. So hatten etwa Hacker im Mai und im Juni weltweit Computer gekapert und Bitcoin als Lösegeld gefordert.

In Venezuela haben ausgerechnet die scharfen Devisenkontrollen der Regierung dazu geführt, dass Bitcoin in Mode kam. Trotzdem stößt Maduros Vorhaben in der Opposition auf Skepsis und Spott. Sie macht geltend, dass das Projekt noch der Zustimmung des Kongresses bedürfe, und gibt ihm keine Erfolgchancen. "Ich sehe dafür keine Zukunft", sagte der Abgeordnete Jose Guerra. Sein Kollege Angel Alvarado, ein Ökonom, sprach Maduro jede Glaubwürdigkeit ab.