In Zurückhaltung übte sich wiederum Frankreichs Premierminister Edouard Philippe. Er verwies auf das britische Parlament und eine mögliche Ablehnung des Vertragstextes dort. Daher sei das Szenario eines "No Deal" noch immer nicht vom Tisch. Vor "Euphorie" warnte ebenso der litauische Außenminister, Linas Linkevicius.

Irische Grenzfrage

Die Möglichkeit eines britischen EU-Austrittes ohne Abkommen wird an der EU-Spitze ebenfalls nicht ausgeschlossen. So berücksichtigt die EU-Kommission in ihren Vorbereitungen auch einen eventuellen ungeordneten Brexit. Details zu den Notfallplänen hat die Brüsseler Behörde erst vor wenigen Tagen vorgelegt. Dabei geht es unter anderem um Visaverordnungen und den Grenzverkehr zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland. Demnach soll es für Briten nach dem EU-Austritt Reiseerleichterungen geben. Für die irische Insel wiederum mussten Regelungen zu Grenz- und Zollkontrollen, zum Reiseverkehr für Privatpersonen sowie Unternehmen ausgearbeitet werden.

Die irische Grenzfrage war denn auch eine der größten Herausforderungen in den Verhandlungen. Beantwortet könnte sie werden, wenn ein neuer Handelsvertrag zwischen der EU und Großbritannien geschlossen wird. Das aber wird erst in der Übergangsphase geschehen, die auf den Brexit im März des kommenden Jahres folgt.

Sollte kein Kompromiss zustande kommen, hat die EU eine Auffanglösung durchgesetzt, einen sogenannten Backstop. Dieser würde das Königreich in der Zollunion mit der EU halten, wobei Nordirland eine Sonderrolle einnehmen würde. Das Gebiet müsste sich dabei stärker an die Vorgaben und Produktstandards der Gemeinschaft halten als der Rest Großbritanniens. Den Auffangmechanismus darf London nicht einseitig aufkündigen.

So bleiben einige Details der Vereinbarungen weiter offen. Das sprach auch Barnier an, der ansonsten den Entwurf des Vertrags als "eine gerechte und ausbalancierte Lösung" bezeichnete. Gleichzeitig merkte er an: "Wir sind noch nicht am Ziel, und es gibt noch viele Etappen bis zur Unterzeichnung eines Abkommens."

Mit der Union eng verbunden

Was sich jedenfalls abzeichnet, ist, dass Großbritannien auch nach dem Brexit eng mit der Europäischen Union verbunden sein wird - unter Umständen länger als bisher angenommen. Anfänglich war nämlich eine Übergangszeit bis Ende 2020 geplant. Die ist vor allem für Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals wichtig, damit die Firmen ihre Geschäfte fürs Erste weiter betreiben können.

Doch diese Übergangsperiode könnte noch verlängert werden. Denn die Zweifel, dass innerhalb von nicht einmal zwei Jahren ein Handelsabkommen zwischen der Insel und dem Kontinent zustande kommt, sind groß. Verhandlungen über solche Verträge ziehen sich nämlich über Jahre. Für den Abschluss des Freihandelsvertrags mit Japan beispielsweise hat die EU-Kommission fünf Jahre gebraucht.