Brüssel. (czar) Von Gibraltar nach Nordirland und damit über den gesamten europäischen Kontinent spannte sich das Brexit-Drama kurz vor einem Sondergipfel in Brüssel. In der belgischen Hauptstadt war für Sonntag das Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU angesetzt, die den Trennungsvertrag mit Großbritannien absegnen sollten.

Davor versuchten noch Spanien und die nordirische Partei DUP, Druck auszuüben. Während Madrid Mitspracherecht bei der Regelung der künftigen Beziehungen zwischen der EU und der britischen Kronkolonie Gibraltar forderte, verlangte DUP-Vorsitzende Arlene Foster von Premierministerin Theresa May einen besseren Brexit-Deal als den vorliegenden.

Dennoch gingen die meisten Beteiligten davon aus, dass noch am Wochenende die offenen Fragen geklärt werden. Zumal es nicht um wesentliche Änderungen im Entwurf des Abkommens ging - darüber wollten etliche Spitzenpolitiker gar nicht reden.

Viel Diskussionsbedarf wird es wohl auch bei der politischen Deklaration nicht geben, die das künftige Verhältnis zwischen der Insel und dem Kontinent vorwegnehmen soll. Denn das Papier ist erst einmal eine Absichtserklärung, die festlegt, dass die beiden Seiten sich eine "ehrgeizige" und "tiefe" wirtschaftliche und politische Partnerschaft wünschen. Ebenso wird ein "ambitioniertes" Zollabkommen angestrebt.

Umfassender Handelspakt

Allerdings müssen diese Vorgaben erst einmal mit Inhalten gefüllt werden. Und damit stehen Großbritannien und die EU vor den nächsten zähen Verhandlungen. Solche sind nämlich Handelsgespräche so gut wie immer. Es müssen Vorschriften gefunden werden zu Zollkontrollen, Produktstandards, Finanzdienstleistungen und für etliche andere Bereiche. Dabei können immer wieder neue Konfliktlinien aufreißen - Frankreich und Belgien etwa sind an Fischereirechten in britischen Gewässern interessiert. Wie künftig der Handels- und Reiseverkehr zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland geregelt werden soll, ist ebenso noch offen.

Dass solch ein umfassender Handelspakt bis Ende 2020 fixiert werden kann, ist jedoch unwahrscheinlich. Der Zeitpunkt wurde für das Ende der Übergangsfrist festgelegt, die nach dem Brexit im März des kommenden Jahres beginnen soll. Jedoch ist eine Verlängerung dieser Periode, möglicherweise um zwei Jahre, schon jetzt im Gespräch. Das würde bedeuten, dass Großbritannien noch längere Zeit im Orbit der EU bleibt. Für so manchen Abgeordneten in London kann das ein Grund sein, die Vereinbarung mit der EU bei einem Votum im Dezember abzulehnen.