Mays Niederlage fiel auch deshalb so schwer aus, weil viele Parlamentarier sich insbesondere mit einer Speziallösung für Irland im Ausstiegsvertrag mit der EU nicht anfreunden können. Diese als Backstop bekannte Klausel soll notfalls verhindern, dass es nach dem Brexit zwischen der britischen Provinz Nordirland und dem EU-Mitglied Irland eine harte Grenze mit Kontrollen gibt.

Einem Bericht der "Sunday Times" zufolge spielt May auch bilaterale Verhandlungen mit Irland durch, um das Brexit-Abkommen doch noch durch das Parlament zu bringen. Mit dem Schritt wolle May die umstrittene Backstop-Vereinbarung im Scheidungsabkommen mit der EU aushebeln. Mays Berater seien der Auffassung, dass die Regierungschefin damit die Unterstützung für ihren Brexit-Plan von der DUP erhalten würde. Die nordirischen Unionisten stützen die Regierung der Torys, die im Parlament keine eigene Mehrheit haben.

Naturgemäß wenig Begeisterung lösen die Berichte in Irland aus. Man wolle nicht direkt mit Großbritannien über den Brexit sprechen, sagte die irische Europaministerin Helen McEntee. Die Verhandlungen würden von der EU mit den Briten geführt. Für Irland sei auch das Karfreitagsabkommen, das den Bürgerkrieg in Nordirland beendete, nicht verhandelbar. Sie glaube auch nicht, dass May Änderungen am Karfreitagsabkommen in Erwägung ziehe.

Auch der irische Außenminister Simon Coveney habe einen bilateralen Vertrag mit Großbritanniens zurückgewiesen, sagte Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) am Rande der Beratungen der EU-Außenminister am Montag in Brüssel. Kneissl warnte davor, die Bedeutung des Karfreitagsabkommens zu unterschätzen. Wenn man sich in die Lage Irlands hineinversetze, könne man dies auch nachvollziehen. Die Haltung der EU sei jedenfalls klar, "das ist die Vereinbarung". Eine alternative Lösung zur Vermeidung einer harten Grenze mit Irland sei schwierig. "Zwei Jahre lang hat man auf Großbritannien gewartet. Es ist schwierig herauszufiltern, was in den nächsten Wochen passieren kann, was nicht schon in den letzten zwei Jahren passieren hätte können."

Maas warnte vor einem Wiederaufflammen des Irland-Konflikts. Wie man am Wochenende gesehen habe, lägen dort die Nerven blank, sagte Maas unter Verweis auf die Explosion einer Autobombe auf der Insel. Europa sei ein Friedensprojekt und werde nichts unternehmen, was zum Aufbrechen alter Konflikte führe. "Bei dem Punkt kann ich mir in den anstehenden Gesprächen nur wenig Veränderungen vorstellen."

Der rumänische EU-Vorsitz zeigte sich unterdessen offen für Änderungen an der Brexit-Vereinbarung mit Großbritannien. Wenn in London Klarheit über den Kurs herrsche, werde die EU versuchen, ihre "Position anzupassen", sagte Außenminister Teodor Melescanu am Montag in Brüssel. Obgleich die EU weiter hinter Irland stehe, könne dabei auch über die umstrittene Auffanglösung für Nordirland gesprochen werden: "Der Backstop, alles ist offen, steht auf der Tagesordnung."