Mays Position wurde am Mittwoch durch den Austritt von drei Tory-Abgeordneten weiter geschwächt. Allerdings hatte sie im Unterhaus schon vorher keine Mehrheit, sondern ist auf die Stimmen der nordirischen protestantischen DUP-Partei angewiesen. Auch aus der oppositionellen Labour-Partei sind aus Protest gegen den Brexit-Kurs der Parteiführung mittlerweile acht Abgeordnete ausgetreten.

Hunt forderte die EU-27 auf, der britischen Regierung in der Frage der irisch-nordirischen Grenze entgegenzukommen. Anders als im Jänner sei im britischen Parlament dann eine Mehrheit für den Austrittsvertrag zu erwarten. Die EU bezweifelt dies und gibt sich deswegen hart. Das von Juncker erwähnte Angebot einer Verschiebung des Austrittsdatums könnte auf dem regulären EU-Gipfel am 21. und 22. März beschlossen werden. Bisher hat May einen Zeitaufschub aber abgelehnt. Eine Verlängerung der Verhandlungen kann die EU ohnehin nur einstimmig beschließen. Als juristisch schwierig gilt eine Verlängerung über die Europawahl Ende Mai hinaus. Denn dann müsste Großbritannien als Noch-Mitglied an den Wahlen teilnehmen, weil andernfalls mit Klagen zu rechnen ist.

Hunt warnte, dass ein ungeordneter Brexit nicht nur das angestrebte weitere enge Verhältnis Großbritanniens zur EU gefährden könnte. Er verwies auch auf ungewollte innenpolitische Konsequenzen. "Wir müssen verhindern, dass aus Großbritannien ein Klein-England wird", sagte er. Hintergrund sind Warnungen etwa der Schotten, sich nach einem Brexit vom Königreich abzuspalten.

Für zunehmenden Unmut zwischen beiden Seiten sorgen auch die Vorbereitungen auf einen harten Brexit oder einen No-Deal. Denn die britische Regierung versucht vergeblich, mit der EU-Kommission ins Gespräch zu kommen, um die schlimmsten Auswirkungen eines dann rechtlosen Zustands nach dem 29. März zu begrenzen. EU-Offizielle betonen aber, dass es unmöglich und kontraproduktiv sei, lauter "Mini-Vereinbarungen" zu schließen. Solche Gespräche würden nur die nötige britische Ratifizierung des Austrittsvertrages gefährden, der auch die Pflichten Großbritanniens gegenüber der EU beschreibt, hatten EU-Offizielle vergangene Woche betont.