100 Milliarden Britenrabatt

Die Geduld Brüssels mit der britischen Regierung scheint am Ende. Seit 1973 ist das Vereinigte Königreich Teil der EU, seither kämpften die Briten für eine Sonderstellung in der Staatengemeinschaft. Britenrabatt, keine Teilhabe an Euro und Schengen: Immer wieder setzte die britische Regierung Sonderregelungen für die Insel durch.

Legendär ist der Satz "I want my money back" der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher. Die Konservative wollte in den 1980er Jahren einen Rabatt auf die Beitragszahlungen des Vereinigten Königreichs - und erhielt diesen schlussendlich auch. Seit 1984 bekommt London 66 Prozent seines Nettobeitrags an die EU zurück - und ersparte sich so mehr als 100 Milliarden Euro.

Auch beim Schengen-Abkommen wollten die Briten nicht dabei sein. Die Regelung garantiert EU-Bürgern Reisefreiheit innerhalb der Staatengemeinschaft und darüber hinaus (auch Norwegen und die Schweiz sind dabei). Doch wer nach Großbritannien will, muss seinen Pass vorzeigen. Großbritannien kann sich zudem aussuchen, welche Gesetze im Bereich Inneres, Justiz und Flüchtlingspolitik es annehmen will. Durch eine Sonderregelung hat sich das Land zudem das Recht auf einen "Opt-out" in der Gesetzgebung im Bereich Politik gesichert. Das bekannteste Beispiel für ein britisches "Opt-out" ist wohl die Entscheidung der Briten, nicht am Euro teilzunehmen.

"Extrawürste" gibt es zwar auch für andere EU-Länder. Doch kein Mitgliedstaat hat so viele Sonderregelungen errungen wie das Vereinigte Königreich. Dass dies gelungen ist, liegt nicht nur an der Zermürbungstaktik der britischen Regierungen. Für die EU ist das Vereinigte Königreich auch ein wichtiger Handelsplatz - und eine ausschlaggebende Wirtschaftsmacht. Brüssel hat viel getan, um die Briten mit Sonderregelungen zu befrieden - Hauptsache, sie bleiben, so das jahrelange Credo. Genutzt hat es nichts. Der Brexit steht vor der Tür.