London. Die britische Regierung denkt darüber nach, ihren Brexit-Deal ein viertes Mal im Unterhaus zur Abstimmung zu stellen. Eine Verabschiedung des Austrittsabkommens mit der EU sei der "beste Weg, das Referendumsergebnis umzusetzen", sagte der Parteichef von Mays Konservativen, Brandon Lewis, am Samstag der BBC. Die Brexit-Hardliner verstärkten indes den Druck auf Premierministerin Theresa May.

Das Unterhaus hatte den Deal am Vortag zwar zum dritten Mal abgelehnt - allerdings mit weniger klarer Mehrheit als zuvor. "Zumindest geht es in die richtige Richtung", sagte Lewis über die Stimmung im Parlament. "Wir müssen uns alle Optionen anschauen." Die nordirischen Unionisten bekräftigten jedoch ihr Nein zu dem Deal. Er sei lieber für einen Verbleib in der EU als für eine Lösung, die die Union aus Nordirland und Großbritannien gefährde, sagte DUP-Vizechef Nigel Dobbs am Freitagabend der BBC.

"Wir wollen die EU verlassen"

170 der 330 konservativen Parlamentsabgeordneten schickten indes nach einem Bericht der "Sun" einen Brief an May, in dem sie den Austritt Großbritanniens aus der EU fordern - auch wenn dies nur ohne Vertrag gehe. "Wir wollen die EU am 12. April verlassen oder aber sehr rasch danach", zitierte das Blatt am Samstag aus dem Brief, der auch von zehn Kabinettsmitgliedern unterzeichnet worden sei.

Dagegen sagte der Labour-Abgeordnete Ben Bradshaw, dass er mit einem "sanfteren" Brexit und einer anschließenden zweiten Volksabstimmung rechne. Es gebe gute Aussichten, dass Großbritannien in der EU-Zollunion bleibe, sagte der Ex-Staatssekretär am Samstag dem Deutschlandfunk. Über diesen Beschluss solle dann erneut das Volk abstimmen.

Neuwahldrohung im Fall eines neuerlichen Nein

Medienberichten zufolge wollte May am Sonntag mit ihren Ministern über das weitere Vorgehen beraten. Demnach könnte die Premierministerin abwarten, welche Alternativvariante sich in der ersten Wochenhälfte in den Beratungen des Unterhauses herauskristallisiert. Dieser Variante könnte May dann neuerlich ihren Deal entgegenstellen, diesmal verbunden mit einer Neuwahldrohung im Fall eines neuerlichen Nein.

Wegen der verfahrenen Lage im Unterhaus schlug die konservative Abgeordnete Nicky Morgan eine Regierung der nationalen Einheit vor. In schwierigen Situationen in der Vergangenheit habe das Land damit gute Erfahrungen gemacht, sagte die frühere Frauen- und Gleichstellungsministerin der BBC am Samstag. Klarheit über die britischen Absichten braucht es bis 10. April, wenn die EU-Staats- und Regierungschef einen Sondergipfel über den Brexit abhalten.