Frankfurt. EZB-Präsident Mario Draghi hält mit Blick auf den Brexit nichts von Schwarzmalerei. "Ich bin noch hoffnungsvoll", sagte der Italiener am Mittwoch in Frankfurt. Als Währungshüter wolle er sich jedoch nicht in die politische Debatte einschalten. Bei der Bewertung der wirtschaftlichen Folgen des britischen EU-Austritts komme es darauf an, ob ein geordneter Brexit gelinge oder es zu einem harten Ausstieg komme. Auch wenn einige Länder wegen ihrer engen wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Vereinigten Königreich stärker vom Brexit betroffen seien, dürfte sich der negative Einfluss auf die Güterwirtschaft insgesamt in Grenzen halten, so Draghi.

Für die auf reibungslose Abläufe in Logistik und Produktion angewiesene Wirtschaft könne es jedoch stellenweise zu "gravierenden Auswirkungen" kommen, falls Wertschöpfungsketten reißen sollten. Die restlichen 27 EU-Länder werden am Mittwochabend auf einem Sondergipfel den Briten eine weitere Fristverlängerung gewähren, um einen harten Brexit schon am Freitag zu verhindern. Wann die neue Frist enden soll, ist noch unklar.

Die EZB und die Bank von England hatten kürzlich mitgeteilt, sie stünden im Fall von Verwerfungen an den Finanzmärkten parat. Mit Hilfe eines Devisentausch-Abkommens wollen sie unter anderem sicherstellen, dass britische Geldhäuser auch dann noch ausreichend mit Euro versorgt werden. Während der Finanzkrise hatte die EZB ähnliche Vereinbarungen mit der US-Notenbank Fed genutzt, als der Geldmarkt auszutrocknen drohte.(reuters)