Michael Gove: Brexiteer mit Verräterimage

Der Gesinnungsgenosse Johnsons stand vor dem Brexit-Referendum an forderster Front der Leave-Kampagne. Danach unterstützte Gove Johnsons Kampagne für die Nachfolge des zurückgetretenen Premiers David Cameron, bevor er plötzlich erklärte, sein Freund habe nicht das Format, Großbritannien zu führen. Johnson zog die Kandidatur zurück, May wurde Premierministerin. Die konservative Basis trägt Gove die Aktion bis heute nach.

Als Energieminister war er einer der engsten Vertrauten Mays, ihre Strategie hat er bis zuletzt mitgetragen. Der 51-Jährige traut sich zu, was May nicht geschafft hat: Den Brexit durchzuziehen und dabei auch noch die gespaltene Tory-Partei zu einen. Gove schließt zwar einen EU-Austritt ohne Abkommen nicht aus, würde sein Land aber lieber geordnet aus der EU führen.

Andrea Leadsome: Leave-Aktivistin und Mutter

Vor dem folgenschweren Referendum von 2016 war Andrea Leadsome eine der bekanntesten Verfechterinnen des EU-Austritts. Bereits 2016 konkurrierte sie mit May um den Posten der neuen Premierministerin. Mit ihrer Behauptung, sie sei besser geeignet, weil sie als mehrfache Mutter ein größeres Interesse an einer guten Zukunft des Landes habe als die kinderlose May, erntete sie massive Kritik, die sie schließlich zum Rückzug zwang.

Aus Protest gegen Mays Brexit-Kurs trat die 56-Jährige vor einer Woche als Mehrheitsführerin im britischen Parlament zurück. Wie die meisten ihrer Konkurrenten findet auch Leadsome, dass es an der EU liegt "einen Deal auf den Tisch zu legen, mit dem wir leben können". Notfalls gebe es am 31. Oktober eben einen Austritt ohne Abkommen.

Jeremy Hunt: Kassandra der Konservativen

Als Gesundheitsminister hat er die Angestellten des staatlichen Gesundheitssystems gegen sich aufgebracht, seit Johnsons Rücktritt ist Jeremy Hunt Außenminister Großbritanniens. Vor dem Referendum von 2016 war er für den Verbleib in der EU, heute will Hunt sein Land nicht ohne Austrittsabkommen aus der Staatengemeinschaft führen. In einem Artikel im "Daily Telegraph" warnte der 52-Jährige am Dienstag vor einem No-Deal-Brexit, der für die Tories einem "politischen Selbstmord" gleichkäme. Der Versuch, das Land ohne Abkommen aus der EU zu führen würde das Parlament dazu veranlassen, die Regierung zu stürzen, schreibt Hunt. Bei den folgenden Neuwahlen drohe den Konservativen die "Vernichtung".

Sajid Javid: Innenminister und Wendehals

Auch der britische Innenminister hat sich um Mays Nachfolgen beworben. "Wir müssen den Brexit umsetzen", schrieb der 49-Jährige auf Twitter - wobei ihm keiner seiner Konkurrenten widersprechen wird. Der Sohn eines Busfahrers aus Pakistan war ursprünglich EU-skeptisch, sprach sich dann gegen den Brexit aus, bevor er nach dem Referendum von 2016 wieder die Seiten wechselte. Als ehemaliger Bankier glaubt Javid an den freien Markt, in seinem Büro hängt ein Porträt der ehemaligen Premierministerin und Deregulierungs-Verfechterin Margaret Thatcher.