Dort kennt man den ehemaligen Außenminister und gibt sich bedeckt. In die eigenen Karten will man sich jedenfalls nicht schauen lassen. Der Brexit-Chefverhandler der EU, Michel Barnier, twitterte, dass er sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit Johnson freue mit dem Ziel, einen geregelten Austritt Großbritanniens aus der EU zu erreichen.

Man gibt sich in Brüssel abwartend und skeptisch, man lässt den neuen Premier kommen und will dann sehen, was der zu sagen hat. In Brüssel ist man sich nicht sicher, ob Johnson an konstruktiven Gesprächen interessiert ist oder einfach nur mit einem lauten Knall aus der Europäischen Union austreten will.

Österreichs EU-Abgeordnete teilen diese Skepsis: Auf den ÖVP-Mandatar und Vizepräsident im EU-Parlament, Othmar Karas, hat Johnson "als Politiker bisher nicht immer den besten Eindruck" gemacht. "Wenn Boris Johnson weiterhin seine Clown-Show abzieht, wird er damit in Brüssel auf taube Ohren stoßen", ist auch SPÖ-EU-Delegationsleiter Andreas Schieder wenig begeistert. "Boris Johnson ist kein integerer, umsichtiger Politiker, er verbreitet Lügen und steuert das Land in die Katastrophe", so die Grüne EU-Delegationsleiterin Monika Vana.

Trump-Lob für Johnson

Einer ist von Boris Johnson sehr angetan: US-Präsident Donald Trump, mit dem der Brite immer wieder verglichen wird. Trump kann der Kritik an Johnson nicht beipflichten, er gratulierte dem künftigen britischen Premier am Dienstag als einer der ersten. Der Konservative werde ein "großartiger" Regierungschef sein, zeigte sich Trump erfreut.

Und genau dieses Lob aus Washington ist es, das viele in Großbritannien und Europa zusätzlich mit Besorgnis erfüllt.