Stimmt die DUP hingegen für den Deal, werden andere unionistische Parteien ihr Verrat an der Union vorwerfen. Das könnte das Ende der DUP als größte Partei Nordirlands bedeuten.

Treffen mit Paramilitärs

Die ganze Woche sind die DUP-Chefs in der Downing Street ein und aus gegangen. Zurück in Nordirland trafen sich hochrangige Parteimitglieder mit Führungsfiguren der gewaltbereiten Loyalisten. Diese Gruppen haben angedroht, im Fall von Kontrollen auf der Irischen See wieder zur Waffe zu greifen. Mit den loyalistischen Paramilitärs soll die DUP über das Austrittsabkommen gesprochen haben.

Danach fragten sich viele, wie die Partei ihre Entscheidungen trifft. Mit ihren Wählern setzt sich die DUP kaum auseinander. "Mit ihrer neuen Macht in London hat die Partei ihre Wähler noch mehr aus den Augen verloren", sagt Deirdre Heenan. Die Professorin für Sozialwissenschaften an der Ulster University ist überzeugt, dass die konservativen Brexiteers für Johnsons Deal stimmen werden: "Sie verlieren die Geduld mit den Unionisten."

Die DUP hat sich in eine missliche Lage manövriert. Vor dem Referendum hat sie Stimmung für den EU-Austritt gemacht - ohne daran zu denken, was der Brexit für die Menschen in Nordirland bedeutet. Die britische Provinz in der Zollunion der EU zu lassen war wohl von Anfang unumgänglich: Soll die Grenze offen bleiben, muss Nordirland im selben Regelwerk sein wie das EU-Mitglied Irland im Süden. Doch anstatt sich darauf vorzubereiten, hat die DUP wieder und wieder betont, dass es keinen Sonderstatus für Nordirland geben darf. Genauso wenig versuchte sie zu erklären, was eigentlich das Problem mit Grenzkontrollen auf der Irischen See ist - abgesehen von einer diffusen Angst vor der Abnabelung vom Königreich.

EU schließt Vertagung aus

Ob es einen Deal gibt oder das Vereinigte Königreich die EU ohne Abkommen verlässt, ob die irische Grenze offen bleiben kann oder es wieder Kontrollen geben muss, diese Entscheidung liegt nun bei den Abgeordneten in Westminster. Die wichtigste Entscheidungshilfe bekamen sie am Donnerstag von der EU. Sollte die Übereinkunft abgelehnt werden, will EU-Ratspräsident Donald Tusk auf den Verlängerungsantrag für den britischen Verbleib warten und danach die Staats- und Regierungschefs konsultieren. "Dann sehen wir weiter", sagte Tusk am Donnerstagabend in Brüssel. Und: "Unsere Absicht ist das Hinarbeiten auf die Ratifizierung." Deutlicher wurde Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker: Er sagte, man werde den Brexit keinesfalls noch einmal verschieben. Damit bleibt nur eine Alternative zu Johnsons Austrittsabkommen: ein Brexit ohne Deal.