Nach langen Hin- und her, zähen Verhandlungen und vielen Abstimmungen ist es am 31. Jänner soweit: Großbritannien verlässt als erstes EU-Land überhaupt offiziell die Europäische Union. Mit dem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs schrumpft das EU-Parlament von 751 auf 705 Sitze. Es fallen jedoch nur zwei Drittel der 73 britischen Parlamentssitze weg.

46 Sitze werden in Reserve gestellt für eine mögliche EU-Erweiterung. Mit Serbien, Montenegro und der Türkei laufen Beitrittsgespräche. Die Gespräche mit der Türkei wurden aber eingefroren. EU-Parlamentspräsident David Sassoli hat sich vor kurzem für Gespräche mit Albanien und Nordmazedonien ausgeprochen.

Die britischen Abgeordneten verlieren am 31.1.2020 um Mitternacht ihre Funktion. Ab 1. Februar gilt die neue Verteilung. Österreich gewinnt mit dem Grünen Thomas Waitz durch einen Abgeordneten dazu und kommt auf insgesamt 19 EU-Abgeordnete.

27 frei werdende Sitze werden in Proportion zur Einwohnerzahl neu auf die EU-Länder aufgeteilt. Die neuen Abgeordneten wurden bereits im Mai 2019 gewählt und können nun ihr fünf Jahre dauerndes Mandat antreten. Frankreich und Spanien bekommen fünf zusätzliche Sitze, Italien und die Niederlande jeweils drei. Irland erhält zwei Sitze mehr. Polen, Rumänien, Schweden, Österreich, Dänemark, Slowakei, Finnland, Kroatien und Estland jeweils einen zusätzlichen Sitz.

Deutschland etwa hat mit der Zahl von 96 Sitzen bereits die maximale Zahl an Sitzen. Kein Mitgliedsland verliert durch den Brexit Sitze.

Der Austritt Großbritannien wirkt sich aber auf die politische Zusammensetzung des EU-Parlaments, sprich die Fraktionen, aus. Die liberale Fraktion "Renew Europe" büßt mit 11 Sitzen am meisten ein, die Grünen müssen sieben Sitze abgeben. Die Sozialdemokraten verlieren sechs Mandate, die Fraktion "Europäische Konservative und Reformer" (ECR) drei Mandate. Gewinner des Brexit sind zum einen die Europäische Volkspartei EVP, die künftig um fünf Abgeordnete auf 187 wächst. Zum anderen profitiert die Rechtsaußenfraktion "Identität und Demokratie", die drei Sitze hinzugewinnt.

Für eine Mehrheit im Parlament sind künftig 353 statt wie bisher 376 Sitze nötig.