Die britische Fleischindustrie hat die Umsetzung eines Sondervisaprogramms kritisiert. "Die Anzahl sowie Geschwindigkeit bei der Bearbeitung von Notfallvisa für Fleischhauer war bisher enttäuschend", teilte der Branchenverband British Meat Processors Association (BMPA) der Deutschen Presse-Agentur mit. Vermutlich würden nur wenige dringend benötigte Fachkräfte im Dezember ins Land kommen.

"Die große Frage ist, ob sich überhaupt viele dazu entscheiden, so kurz vor Weihnachten nach Großbritannien zu kommen, oder ob sie bis zum neuen Jahr warten", hieß es weiter. Zu Weihnachten erwartet der Verband deshalb weniger Produktvielfalt in den Regalen.

Brexit hat Zuwanderung verschärft

Nach dem Brexit hatte die britische Regierung die Einwanderungsregeln erheblich verschärft. Das hemmt den Zuzug von Fachkräften aus der EU. Daraufhin klagten etwa Truthahnzüchter und Schweinebauern über fehlende Arbeiter in den Schlachthöfen. Der Rückstau sei enorm, die Versorgung nicht gesichert. Zahlreiche Tiere mussten gekeult werden, weil auf den Bauernhöfen kein Platz mehr war. Die Regierung kündigte befristete Sondervisa für bis zu 5500 Geflügelfleischverarbeiter und 800 Schweinemetzger an. Wie viele ausländische Fachkräfte dieses Angebot angenommen haben, ist nach wie vor unklar. Die Regierung machte keine Angaben, dem BMPA liegen keine Zahlen vor.

Die Bewerbungsfrist bis zum 31. Dezember sei viel zu knapp, um geeignete Bewerber zu finden, und müsse verlängert werden, forderte der Verband. Die Regierung habe kein Verständnis für den enormen Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt durch Brexit und Corona-Pandemie. Facharbeiter, wie sie akut benötigt würden, gebe es in Großbritannien derzeit nicht. "Es wird zwei Jahre dauern, um Briten zu rekrutieren und auszubilden", betonte der BMPA. "Kapazität und Arbeitsmoral der britischen fleischverarbeitenden Industrie leiden unter dem chronischen Arbeitskräftemangel." (apa, dpa)